Familientrauma

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kuddel Avatar

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Die Autorin hat in diesen interessanten Roman Details ihre eigenen Familiengeschichte einfließen lassen. Sie erzählt auf den Zeitebenen 1945, 1987 und heute.
1945 erleben wir die Mutter Irma als Kind. Sie ist in Tschechien in privilegierten Verhältnissen aufgewachsen, das Kriegsende beendet dieses Leben. Die Flucht, das Leben im Lager und die Erlebnisse in einem Kinderheim traumatisierten sie tiefgehend und prägen ihr ganzes weiteres Leben.
1987 ist Irma mit Mann und den Töchtern Nina und Katja aus der DDR zu Besuch in ihrem Geburtsort. Die Kinder sind überrascht, dass sie die Sprache spricht. Hier hätte man in der dysfunktionalen Familie das Gespräch suchen und etwas über die Vergangenheit der Mutter erfahren können. Doch es kommt anders. Katja flieht mit ihrem Freund in den Westen. Die Familie zerfällt.
Der Ehemann erträgt schließlich die Depressionen Irmas nicht mehr und verlässt sie. Nina bleibt zurück, um sich um die Mutter zu kümmern, ausgerechnet sie, die als Kind immer hinter der jüngeren Katja zurücktreten musste.
Als die DDR Geschichte ist, könnte die Familie eigentlich wieder zusammenfinden, aber das geschieht nicht.

In der Gegenwart ist Irma verstorben und der Rest der Familie trifft erstmals wieder aufeinander. Nina, die die Pflege der depressiven Mutter immer als Belastung empfand, verliert ihre Stimme. Als Schauspielerin vor der ersten großen Rolle eine Katastrophe. Sie räumt die Wohnung der Mutter auf, nimmt wieder Kontakt zur Schwester auf und begibt sich nach einigen Fotofunden auf Spurensuche nach Tschechien, wo sie unglaubliches erfährt.

Das Trauma, das Irma als Kind erfahren hat, belastet sie lebenslang, sie gibt es weiter an ihre Kinder und den Ehemann. Gelegenheiten dies aufzuarbeiten und auch den Kindern ihre Geschichte zu erzählen, wurde nie wahrgenommen.
Nina gräbt die tragische Geschichte mit Hilfe einer alten Freundin der Mutter aus. Nebenher nähern sich die Schwestern wieder an.
Ninas unstete Liebesgeschichte und die Unentschlossenheit hinsichtlich einer festen Beziehung fand ich zu ausschweifend erzählt, dies sollte sicher auch den Erfahrungen ihrer Kindheit geschuldet sein.
Ich habe Nina gerne auf ihrem Weg begleitet, es war interessant dabei zu sein, wie sie nach und nach die Geschichte der Mutter herausfindet. Eine tragische und bewegende Familiengeschichte, die aufzeigt wie sehr Schweigen und Traumata auch Mitmenschen belasten und beeinflussen.