still, sogartig

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brianna Avatar

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Das wunderschöne Cover hätte mich sofort dazu verleitet, dieses Buch in die Hand zu nehmen und darin in der Buchhandlung zu lesen.
Strahlend orange-gelbe Blumen mit ihrem Grün als Kontrast und der (trockenen) Erde zu ihren Füßen.
Der Titel "Elbland" ist auch in diesem Gelbton gestaltet.

Der Einstieg in den Roman von Claudia Rikl war absolut fesselnd. Es beginnt mit einem Familienurlaub, 1987, wie ihn so oder so ähnlich einige DDR-Bürger erlebt haben.
Ganz schnell war ich beim Lesen wieder Kind, saß ebenso im Lada wie Nina auf den Weg in den Urlaub. Bei uns gab es zwar keinen Muckefuck, aber immer geschmierte Brote, hartgekochte Eier und natürlich Brause!
Es war schön, diesen Erinnerungen wieder zu begegnen! Denn das waren die einzigen, die "schön" im Sinne von angenehm waren.

Im starken Kontrast dazu: Kapitel 2, Jetzt-Zeit.
Ninas Mutti Irma ist gerade verstorben, sie fühlt sich verloren, zugleich befreit. Aufopferungsvoll hatte sie sich all die Jahre gekümmert, nachdem ihr Vater und ihre Schwester Katja sich zuvor "aus dem Staub" gemacht hatten.
Ihr eigenes Leben immer hintenan gestellt, obwohl ihre Mutter, kühl bis kaltherzig, offenbar ihre Schwester bevorzugte.

Doch warum?

Während Nina nach Böhmen reist, in die Heimat ihrer Mutter, erfährt sie, warum sie dieser Frau, die alles verlor, nie nahekommen konnte.
In einem 3. Erzählstrang erleben wir, was die kleine Irma nach Kriegsende erleiden mußte. Jeder Absatz ein scharfes Schwert, das Herz zieht sich zusammen, die Augen brennen vor Tränen...

Claudia Rikl gelingt es, anhand der Lebensgeschichte ihrer Familie (Oma Helene! Ihr ist das Buch gewidmet) Mitgefühl für eine Generation zu erschaffen, die nie gelernt hat, über all' das zu reden, geschweige denn, zu verarbeiten. Auch wir tragen ihre Last mit.

Ein Buch, das sehr leise und doch wunderschön erzählt.
Worte, die mit einer derartigen Wucht etwas auslösen, das unbeschreibbar erscheint.

Danke!