Von Heimat, Verlust und Familie

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Ein sehr berührender Roman über eine verloren gegangene Familie, eine verlassene Heimat und eine tragische Vergangenheit. Als Ninas Mutter stirbt, kommt die Familie wieder zusammen. Katja, die kleine Tochter, der Liebling, die aber kurz vor der Wende aus der DDR geflohen ist. Der Vater, der die Traurigkeit und Stille in der Familie nicht mehr aushält und diese verlässt. Und Nina, der letztlich die Aufgabe zufällt für die Mutter da zu sein und die darüber ihre eigenen Ansprüche und Wünsche zurückstellt. Das Verhältnis zwischen den Schwestern ist eng, aber aufgrund der schwierigen Gefühle und Vorwürfe sehr angespannt. Dennoch spürt man sehr viel Liebe und Zugewandheit zwischen den Schwestern. Nach und nach offenbart sich in Rückblenden in den letzten glücklichen Familienurlaub, der tragisch endet, was im Sommer 1987 die Familie auseinander brechen lässt. Die Autorin nimmt uns aber noch weiter zurück. In kurzen Kapiteln erfährt man mehr über die Kindheit von Irma, der Mutter. Das einst behütete Leben in Böhmen endete jäh. Die deutsche Bevölkerung wurde aus der Region vertrieben, in Lager geschickt. Der geliebte Vater ist verschwunden, die Mutter zerbricht. Kaum vorstellbar, was die kleine Irma aushalten musste. Die Geschichte des kleinen Lutz berührt mich sehr. Irma wird hart, versteinert. Diese Wandlung vom lebensfrohen Kind zur zerstörten Frau ist erschütternd. Der Autorin gelingt es, diese Entwicklung und das ambivalente Verhältnis zu ihren eigenen Töchtern sehr eindringlich und greifbar darzustellen. Schreibstil und Sprache sind klar und ohne Firlefanz. Das unterstreicht die Eindringlichkeit zusätzlich. Ich hatte mich auf das Buch gefreut und eine mehrere Generationen umspannende Familiengeschichte erwartet. Dieses Buch birgt aber viel mehr. Für mich eines der Highlights in dem bisherigen Lesejahr.