Zwischen Fuchs und Frühling

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Das Cover von „Elf ist eine gerade Zahl“ gefällt mir ausgesprochen gut. Davon abgesehen, dass Füchse meine Lieblingstiere sind, wirkt es schlicht, aber eindringlich auf mich. Es trägt eine melancholische Ruhe in sich, die gut zum Ton der Geschichte passt. Schon das Design weckt das Gefühl, dass hier kein leichtes, aber ein tiefes, ehrliches Buch auf mich wartet.
Martin Beyers Stil ist präzise und gleichzeitig poetisch. Er schafft es auf den ersten Seiten Emotionen zu vermitteln. Besonders beeindruckend ist, wie realistisch und unaufgeregt er die Innenwelt seiner Figuren beschreibt. Der Text hat etwas Unmittelbares, Nahes. Jede Beobachtung, jede kleine Geste wirkt bedeutungsvoll, fast wie in Zeitlupe.
Schon in der Leseprobe zieht einen das Buch in seinen Bann. Es ist keine Spannung im klassischen Sinn und trotzdem möchte man unentwegt weiterlesen. Die Spannung entsteht hier aus der psychologischen Dichte, dem stillen Schmerz und der Frage, wie Mutter und Tochter mit der Krankheit, der Angst und dem unausgesprochenen Schmerz umgehen. Das Tempo ist ruhig, aber die Atmosphäre so intensiv, dass man unwillkürlich weiterliest.
Katja ist eine unglaublich greifbare Figur. Eine Frau, die zwischen Erschöpfung, Sorge und Schuldgefühlen schwankt, aber dabei immer menschlich bleibt. Man spürt, wie sie kämpft, auch wenn sie selbst kaum noch die Kraft dafür hat. Paula, ihre Tochter, bleibt in dieser ersten Passage etwas stiller, aber gerade dieses Schweigen macht sie berührend. Ihre Distanz ist spürbar, ihre Verletzlichkeit ebenso. Beide Figuren tragen eine tiefe, unausgesprochene Verbundenheit, die zwischen den Zeilen leuchtet.

Ich erwarte eine berührende, ehrliche Geschichte über Liebe, Verlust, Überforderung und darüber, wie man weiteratmet, wenn das Leben einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich hoffe auf zarte Momente zwischen Mutter und Tochter, auf kleine Hoffnungen im Dunkel, auf Sätze, die noch lange nachhallen.
Gerne möchte ich das Buch weiterlesen, da mich die Leseprobe berührt hat und ich Kata und Paula nicht einfach zurücklassen kann. Ich möchte unbedingt wissen, ob es für sie einen Weg gibt. Dieses Buch scheint eines jener seltenen Werke zu sein, die nicht laut sind, sondern lange in einem nachklingen.