Überwältigende Verzweiflung

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meggie3 Avatar

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Der Roman beginnt am Tag bevor die 14-jährige Paula ins Krankenhaus muss. Erneut. Nachdem sie vor zwei Jahren nach Armoperation und Chemotherapie krebsfrei die Klinik verlassen konnte, wurde nun eine Zellansammlung an der Lunge festgestellt. Diese Zellansammlung muss operativ entfernt und auf Krebszellen untersucht werden.

Die kommenden Tage werden aus der Perspektive von Paulas Mutter Katja erzählt. Sehr deutlich wird ihre Hilflosigkeit, die Sprachlosigkeit, der Frust und die große Angst, die wieder da sind. Dazu kommt, dass sich Paula in den beiden Jahren seit ihrer Chemotherapie verändert hat: Sie lässt sich längst nicht mehr berühren, zwischen Mutter und Tochter besteht eine gewisse Distanz.

Als Paula und Katja im Krankenhaus darauf warten, dass Paulas Blutwerte die Lungenoperation zulassen, beginnt Katja ihrer Tochter eine Geschichte zu erzählen. Wie früher, um Paula abzulenken – und um die Distanz zwischen Mutter und Tochter zu überbrücken.

Ab diesem Zeitpunkt wechseln sich zwei Handlungsstränge ab: Der eine Strang widmet sich der Geschichte, die Katja ihrer Tochter erzähl, der andere Strang beschreibt Katjas und Paulas Ausnahmesituation in den nächsten anderthalb Wochen in der Klinik.
Mir persönlich haben die „realen“ Kapitel besser gefallen, ich finde die Idee dieser Wechsel aber sehr spannend.

Der Autor schildert sehr eindrücklich und berührend, wie Katja und auch Paula mit dem Rückfall umgehen. Wie Katja die Hilflosigkeit, die sie empfindet, ertragen muss. Und was eine Geschichte bewirken kann – natürlich keine Heilung, aber Annäherung und Kraft. Dabei nutzt Martin Beyer eine emotionale, berührende und gleichzeitig ruhige Sprache, die ausgesprochen passend ist.

Mich hat der Roman berührt und ich würde ihn allen empfehlen, die die Emotionalität, Verzweiflung und die Tatsache, dass es thematisch um eine schwere Erkrankung eines Kindes geht, aushalten können bzw. möchten.