Wenn eine kleine Kuh Kindern zeigt, dass „Anderssein“ ziemlich schlau sein kann

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maison.tania Avatar

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Marc-Uwe Kling und Kinderbücher – das ist bei uns inzwischen fast eine sichere Bank. Sobald ich das Neinhorn, das Klugscheißerchen, den Ostermann oder „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“ hervorhole, weiß ich eigentlich schon, was passiert: Meine Kinder lachen, rufen dazwischen, wollen bestimmte Stellen noch einmal hören und kennen die Geschichten irgendwann fast auswendig.
Ich mag an Klings Büchern vor allem, dass sie Kinder nicht klein machen. Sie dürfen albern sein, widersprechen, sich festbeißen, Unsinn erzählen – und dabei ganz nebenbei über ziemlich große Dinge nachdenken.
Deshalb war ich bei „Ella, die schlaue Kuh“ besonders gespannt.
Und Ella ist für mich eine dieser Figuren, die man nach dem Lesen nicht so schnell wieder vergisst.
Denn Ella ist nicht deshalb interessant, weil sie alles besonders gut kann. Im Gegenteil: Neben ihr gibt es immer jemanden, der etwas besser kann als sie. Was Ella aber hat, ist etwas, das im Schulalltag manchmal viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: eine echte, eigene Begeisterung. Sie will verstehen. Sie interessiert sich. Sie hört zu. Ihr Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe.
Und genau da hatte mich das Buch.
Denn wie oft fragen wir Kinder eigentlich, was sie interessiert, statt nur danach zu schauen, was sie gut können?
Gerade in der Grundschule erleben Kinder ständig Vergleiche: Wer liest schon flüssig? Wer rechnet am schnellsten? Wer malt am schönsten? Wer meldet sich am häufigsten? Dabei sind es manchmal die vermeintlich kleinen Dinge, die eine besondere Stärke zeigen: ein Kind, das hundert Fragen stellt. Eines, das sich minutenlang mit einem Thema beschäftigt. Eines, das immer wissen möchte, warum etwas so ist.
Ella macht daraus eine Stärke.
Das gefällt mir ausgesprochen gut.
Ich könnte mir das Buch deshalb wunderbar als Einstieg für eine Unterrichtsstunde vorstellen: „Was interessiert dich so sehr, dass du immer mehr darüber wissen möchtest?“ Oder: „Was kannst du vielleicht noch nicht besonders gut, aber du möchtest es unbedingt lernen?“
Und natürlich würde ich danach auch fragen: „Was würdest du gerne einmal werden?“
Denn Ellas großer Wunsch wird von den anderen zunächst belächelt. Genau darüber ließe sich mit Grundschulkindern wunderbar sprechen: Darf ein Wunsch erst einmal völlig verrückt klingen? Muss ich etwas schon können, um davon träumen zu dürfen? Und was passiert, wenn andere über meine Idee lachen?
Das sind Fragen, die ich mit meinen Kindern viel lieber über eine kleine, neugierige Kuh bespreche als über ein Arbeitsblatt.
Und genau das ist für mich die große Stärke von Marc-Uwe Klings Kinderbüchern: Sie verstecken ihre großen Gedanken in Geschichten, über die man zuerst einfach lachen möchte.
Ich glaube, „Ella, die schlaue Kuh“ wird bei meinen Kindern deshalb ziemlich gute Chancen haben. Nicht zuletzt, weil ich jetzt schon weiß, dass nach dem Vorlesen vermutlich wieder jemand sagen wird: „Nochmal!“
Und ganz ehrlich: Genau solche Bücher wünsche ich mir für die Grundschule.
Bücher, bei denen Kinder lachen. Bücher, bei denen sie sich wiedererkennen. Bücher, die Fragen entstehen lassen. Und Bücher, bei denen man als Lehrerin hinterher nicht das Gefühl hat, gerade eine pädagogische Botschaft „vermittelt“ zu haben.
Sondern einfach eine richtig gute Geschichte gelesen zu haben.