Wenn eine Kuh einfach selbst entscheidet, wer sie sein möchte

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maison.tania Avatar

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Es gibt Bilderbücher, bei denen man schon nach wenigen Seiten merkt, wie gut zwei künstlerische Stimmen miteinander funktionieren. „Ella, die schlaue Kuh“ von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn gehört für mich eindeutig dazu. Kling bringt seinen unverwechselbaren Humor, sein Spiel mit Sprache und seine Lust am absurden Gedanken mit, während Henn diese Haltung nicht einfach illustriert, sondern visuell weiterspinnt. Beides zusammen ist herrlich eigenwillig, pointiert und vor allem: ausgesprochen lustig.
Im Mittelpunkt steht Ella, die sich mit einer ziemlich selbstverständlichen Überzeugung auf den Weg macht: Sie möchte später Erklärbärin werden. Dass ausgerechnet eine Kuh diesen Berufswunsch hegt, sorgt in ihrer Umgebung erwartungsgemäß für Irritation. Die anderen Tiere haben schließlich ziemlich feste Vorstellungen davon, was eine Kuh angeblich kann oder eben nicht kann. Genau hier entwickelt das Buch seine Stärke. Es erzählt nicht mit erhobenem Zeigefinger davon, dass man an sich glauben soll. Stattdessen lässt es die Absurdität solcher Zuschreibungen für sich sprechen.
Und dann ist da dieser Humor. Ich mag besonders, dass Kling nicht versucht, Kindern Witz erst noch pädagogisch schmackhaft zu machen. Die Geschichte darf einfach komisch sein. Die Reime treiben das Geschehen mit einem eigenen Rhythmus voran und laden geradezu dazu ein, beim Vorlesen mit Stimme, Tempo und Betonung zu spielen. Für Kinder entsteht dadurch etwas, das weit über eine nette Geschichte hinausgeht: Sie können Sprache hören, Erwartungen durchkreuzen, überraschende Wendungen erleben und selbst merken, warum etwas gerade so komisch ist.
Als Pädagogin finde ich genau diese Verbindung spannend. Das Buch bietet Gesprächsanlässe, ohne zum Gesprächsanlass degradiert zu werden. Im Unterricht könnte man über Rollenbilder, Zuschreibungen, eigene Fähigkeiten und Berufswünsche sprechen. Man könnte aber genauso gut einfach gemeinsam lachen, Reime entdecken oder überlegen, welche Figur eigentlich festlegt, was jemand können darf. Gerade für die Grundschule ist das wertvoll: Ein Buch muss nicht jede pädagogische Botschaft sichtbar vor sich hertragen, um etwas anzustoßen.
Besonders gelungen finde ich deshalb, dass Ella nicht erst jemand anderes werden muss, um ernst genommen zu werden. Sie bleibt Kuh. Sie bleibt eigensinnig. Und sie verfolgt ihren Gedanken weiter. Darin steckt eine schöne, unaufdringliche Form von Selbstwirksamkeit: Nicht das Urteil der anderen entscheidet darüber, was möglich ist.
Die Kombination aus Marc-Uwe Klings sprachlichem Humor und Astrid Henns eigenwilliger Bildsprache macht daraus ein Bilderbuch, das ich mir sehr gut in einer Vorlesesituation vorstellen kann, in der Kinder nicht nur zuhören, sondern immer wieder dazwischenrufen, lachen, entdecken und mitdenken. Und genau solche Bücher mag ich besonders: Sie lassen sich pädagogisch wunderbar öffnen, funktionieren aber auch dann, wenn man sie einfach nur gemeinsam genießen möchte.