Zwischen Liebe und Grausamkeit

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ninareads Avatar

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Schon die ersten Seiten ziehen einen gnadenlos in eine fremde, grausame Welt hinein. Die Geburtsszene ist schmerzhaft intensiv und emotional aufwühlend: Zwischen mütterlicher Liebe und unmenschlichem Gesetz entsteht eine Spannung, die sofort unter die Haut geht. Amazas Verzweiflung, die Brutalität der Traditionen und die Kälte der Macht des Gottkaisers lassen einen kaum Luft holen. Besonders das kleine Sternenmal – unscheinbar und doch tödlich – bleibt lange im Kopf und steht sinnbildlich für die Willkür dieses Systems.

Der Zeitsprung verstärkt den Eindruck noch: Aus dem geretteten Kind ist Saya geworden, eine junge Frau, die in einer Welt voller Gewalt, Kontrolle und Angst ums Überleben kämpft. Die Actionszene auf dem Dach ist packend, bildhaft und atemlos erzählt. Man spürt jeden Windstoß, jede Muskelanspannung und vor allem Sayas innere Zerrissenheit zwischen Disziplin, Überlebenswillen und tief sitzendem Hass.

Besonders faszinierend ist der Kontrast zwischen der Zerbrechlichkeit des Neugeborenen und der gnadenlosen Präzision der Assassinin. Vergangenheit und Gegenwart sind untrennbar miteinander verbunden – das unausgesprochene Trauma wirkt fort und treibt die Figuren an. Die Welt wirkt detailreich, düster und glaubwürdig, mit einer Mythologie, die neugierig macht und viele Fragen aufwirft.

Dieser Einstieg ist emotional, brutal und fesselnd zugleich. Er verspricht eine Geschichte über Schuld, Macht, Identität und den Preis des Überlebens – und macht große Lust, weiterzulesen.