Gut gerundet 3 Sterne – weder Stil noch Story kann ich empfehlen

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franci Avatar

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„Empire of Whispers and Shadows“ von Ursa Jaumann ist Band eins einer Dilogie, die uns in eine japanisch inspirierte, von einem Monarchen regierte und von Plagen heimgesuchte Welt entführt. Uns in gefährliche Prüfungen und Intrigen, in eine Geschichte voller Tod trägt.

Seit die alten Götter vor knapp 200 Jahren ausgelöscht wurden, herrscht der Gottkaiser über das Reich, das nur noch dank ihm und seiner mystischen Kräfte existiert. Damit das Volk sicher bleibt, werden Gezeichnete eliminiert, bevor sie zu einer Bedrohung werden können, oder von seiner sorgsam erwählten Schattenarmee exekutiert. Denn, so heißt es, jene mit einem Sternenmal hätten Teile seiner Macht gestohlen …

Saya wird im Haus des Flüsterns und der Schatten zu einer Waffe ausgebildet – sieben Prüfungen trennen sie jetzt noch von der Chance, eine Assassine des Kaisers zu werden. Dann muss sie zehn Jahre überstehen, bis sie endlich frei sein, ihre eigenen Pläne verfolgen und Rache an all jenen nehmen kann, denen sie dieses Schicksal zu verdanken hat.
Dass ihr gerade Teno als Partner zugeteilt wird, um die letzten Aufgaben zu absolvieren, treibt die junge Kriegerin an die Grenzen ihrer Selbstbeherrschung, ist er doch der erste Name auf ihrer Todesliste. Teno, der ihre Zieheltern verraten hat. Teno, der ihren Weg aus Gewalt und Verlust, aus Schmerz und Einsamkeit geebnet hat …

Nach einem interessanten Prolog verfolgen wir die Handlung aus wechselnder Perspektive, was uns die gegenwärtige Situation sowie die sich im Verlauf wandelnden Gefühle, gewonnenen Erkenntnisse und individuellen Ziele näherbringt. Teno, der seine Ausbildung absolvieren will, um zu bekommen, was ihm zusteht, ist von der Aussicht, mit einer zierlichen Frau, die ihn hasst, zusammenarbeiten zu müssen, nicht begeistert. Aber sie loszuwerden ist gegen die Regeln … Und schon bald wird beiden klar, dass ihnen nicht nur die Zeit im Nacken sitzt …

Wir erhalten einen vorstellbaren Eindruck von Mingoku – Hauptstadt und Sitz des Gottkaisers. Jaumann bedient sich japanischer Begrifflichkeiten und Gebaren, lässt die Straßen genauso detailliert aufleben wie die etlichen Kampf- und Fluchtszenen. Dennoch konnte mich der Assassinen-Aspekt nicht überzeugen. Saya, die sich Gewissen und Mitgefühl, ihren Glauben, bewahrt hat, agiert mehrfach impulsiv und zögernd, unbedacht. Im Verlauf werden ihre Vergangenheit und ihr persönlicher Umgang mit ihren Taten zwar feinfühlig aufgegriffen, bestärken jedoch den Eindruck, dass sie zu gelähmt für dieses Dasein ist. Tenos Präzision und Kalkül hingegen werden relativ schnell von den Gefühlen zu seiner Mitstreiterin torpediert. Nichtsdestotrotz unterhält die Rivals-to-Lovers-Romance mit spritzigen Schlagabtauschen, einer knisternden, wenn auch vorhersehbaren Anziehung und offenen Gesprächen.
Zugegeben: Wirklich viel Gutes hab ich nicht mehr zu sagen. Meiner Meinung nach verliert sich die Story viel zu oft in Nebensächlichkeiten, in Monologen, Abwägen und Lücken, was Interesse und Spannung vehement erstickt. Das komplette Worldbuilding bleibt flach – sowohl den fantastischen, den politischen als auch den mythologischen Aspekt betreffend. Auch Nebenfiguren fungieren lediglich als Schemen. Ebenso enttäuschend und wirr: die Aufgaben, die Saya und Teno von ihren MeisterInnen zugespielt bekommen (sollten). Hierzu erhaschen wir knappe Erwähnungen, manchmal eine unkoordinierte Suche nach Hinweisen und abrupte Zeitsprünge, die es schwer machen, (in diesem Bereich) den Überblick zu behalten.
Leider muss ich auch sagen, dass ich „Empire of Whispers and Shadows“ insgesamt nicht fesselnd oder atmosphärisch geschrieben fand. Der Stil war sehr einfach gehalten und abgesehen von den Details, die das Setting hervorhoben, fehlte es mir an Relevanz, Fokus, Struktur und Klarheit. Viele Worte, die kaum etwas preisgeben. Selbst die kleinen Spannungsspitzen, zarte Überraschungsmomente oder der Hauch von Misstrauen täuschen nicht über Langatmigkeit und Längen hinweg.
Eine Geschichte, die ohne Frage auf einer interessanten Idee basiert, jedoch nicht überzeugen konnte.

Außerdem empfehle ich dem Verlag eine zweite Korrekturrunde, um fehlende oder doppelte/falsche Worte auszumerzen.