Langsame Sommerlektüre

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becci123 Avatar

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Clara und ihr ungefähr 10 Jahre älterer Ehemann Spencer sind in Positano in Italien auf Hochzeitsreise. Eigentlich haben die beiden schon vor einem Jahr geheiratet, doch Clara war das letzte Jahr krank, so dass ihre Hochzeitsreise erst jetzt stattfinden kann. Clara ist Waise und stammt aus einfachen Verhältnissen, wohingegen Spencer einer englischen Adelsfamilie abstammt, vermögend ist und gerade ein Unternehmen geerbt hat. Clara fühlt sich sehr unsicher und hat immer Angst, einen Fehler zu machen und Spencer zu enttäuschen.

Sie beziehen die Honeymoon Suite im eleganten Palazzo Rosso und lernen bald das Ehepaar Vivian und Fred kennen, sie eine Schönheit aus verarmtem englischen Adel, er vermögend und mit britisch-amerikanischen Wurzeln. Clara hat praktisch keine Freundinnen in England und wünscht, sie könnte sich mit Vivian anfreunden. Zu Fred, der viel lebenslustiger als Spencer ist, fühlt sie sich mehr und mehr hingezogen.

Gleich am ersten Tag schiebt jemand einen Zettel mit der Botschaft „Er lügt“ durch den Türschlitz der Suite. Außerdem bemerkt Clara viele Ungereimtheiten an Spencer und beginnt, ihm zunehmend zu misstrauen.

Das Buch hat mich aufgrund seines Titelbilds mit der Ferienkulisse gleich sehr angesprochen.

Es ist aus Claras Ich-Perspektive geschrieben und spielt in den Jahren 1960 bis 1963, wobei in der Zeit ein wenig hin- und hergesprungen wird. Ich hatte erst befürchtet, dass dies verwirrend sein könnte, allerdings sind die einzelnen Kapitel mit Monaten und Jahreszahlen überschrieben, so dass man der Handlung gut folgen kann.

Es handelt sich definitiv um einen Slow Burner. Die Handlung entwickelt sich sehr langsam. Auch nach der Hälfte des Buches passiert noch nichts, was eindeutig auf einen Krimi oder Thriller schließen lässt. Wenn der Text „Dieser Urlaub wird tödlich“ im Umschlag nicht wäre, würde man sehr lange Zeit denken, es handele sich um einen Beziehungsroman über ein Paar, das sich aufgrund der Erkrankung der Frau auseinandergelebt hat. Daher würde ich den ersten Teil des Romans etwas kürzen. Nicht alle Passagen werden zum Verständnis der weiteren Handlung benötigt. Außerdem wiederholt sich Claras Unsicherheit im Laufe der Zeit dann doch ziemlich.

Im zweiten Teil nimmt die Handlung dann Fahrt auf und ist teilweise wirklich spannend. Einige Dinge ahnt man bereits im Verlauf der Handlung, anderes hat mich tatsächlich überrascht.

Insgesamt ist das Buch trotz seiner Längen sehr angenehm zu lesen. Claras wachsendes Misstrauen gegenüber Spencer und die Auflösung am Ende sind teilweise sehr spannend. Einem echten Thriller-Fan, der schnell in die Handlung einsteigen möchte, kann ich „Er lügt“ aufgrund seiner Längen jedoch nicht empfehlen.