Risse im Eheglück

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missgowest Avatar

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Das Cover von „Er lügt“ ist hervorragend gestaltet. Es zeigt das Meer und auf einer Brücke das zitronengelbe Cabrio, mit dem Clara und ihr Ehemann Spencer nach Positano an der Amalfiküste zum Flitterwochenaufenthalt im Hotel Palazzo Rosso fahren. Doch durch den Himmel und Titel ziehen sich mehrere Risse. Schon jetzt ahnt man, dass vieles nicht so ist, wie es zuerst scheint.

Auf drei Zeitebenen -- 1960, 1961 und 1963 – entfaltet sich Claras Geschichte. Alle Geschehnisse in den Flitterwochen 1961 erscheinen ein wenig seltsam. Hat das mit Claras Krankengeschichte zu tun? Oder wird sie von ihrem Ehemann manipuliert, der sie oft eher etwas herablassend statt zärtlich Bambi nennt? Ich hatte von Anfang ein ungutes Gefühl, ohne dass ich den Finger darauflegen konnte, was mich stört. Darin liegt die Genialität dieses Psychothrillers – das Grauen kommt auf leisen Sohlen.

An diesem schönen Urlaubsort fühlt man sich genau wie Clara nicht ganz wohl. Neben Spencer verunsicherte mich das Ehepaar Vivian und Fred, ohne auch hier benennen zu können, was mich störte. Wer hat für Clara den Zettel mit der Nachricht „Er lügt“ unter der Hotelzimmertür durchgeschoben? Und worüber lügt „er“?

Ich habe das Buch immer gerne zur Hand genommen und wollte wissen, warum Clara damals krank war. Vom Ende bin ich allerdings etwas enttäuscht. Hier hätte ich mir mehr Willensstärke von Clara gewünscht. Alles in allem, kann ich „Er lügt“ jedem ans Herz legen, der das Ambiente Italiens Anfang der 1960er Jahre mag sowie Psychothriller im Stil von Alfred Hitchcock zu schätzen weiß. Von mir gibt es verdiente 4 von 5 Flitterwochen.