Wer lügt eigentlich nicht?

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ani264 Avatar

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Clara verbringt mit ihrem Mann ihre Flitterwochen an der italienischen Amalfiküste. Der Urlaub soll eine Chance für das junge Ehepaar sein, in ihrer Ehe wieder mehr zueinander zu finden. Doch hinter der entspannten Atmosphäre verbergen sich Geheimnisse, Misstrauen und eine Lüge, die schließlich alles verändert.
Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es vermittelt direkt Urlaubsfeeling und gibt einen tollen Eindruck von der Umgebung, sodass man sich den Schauplatz beim Lesen sehr gut vorstellen kann. Allein dadurch hatte ich große Lust, in die Geschichte einzutauchen.
Der Anfang war für mich sehr vielversprechend. Schnell wird deutlich, dass etwas nicht stimmt, und ich habe erwartet, dass zahlreiche Lügen, Intrigen und überraschende Wendungen aufgedeckt werden. Dieses Gefühl, dass jemand etwas verheimlicht, schwebt zwar die ganze Zeit über der Geschichte, konkrete Anhaltspunkte oder neue Erkenntnisse erhält man jedoch erst sehr spät.
Gerade der Mittelteil konnte mich deshalb leider nicht richtig fesseln. Über viele Seiten hinweg hatte ich das Gefühl, dass die Handlung kaum vorankommt. Die Spannung, die der Einstieg aufgebaut hat, flacht deutlich ab, und ich hätte mir deutlich mehr Dynamik und vielleicht schon früher den einen oder anderen Plottwist gewünscht.
Erst auf den letzten Seiten nimmt die Geschichte wieder richtig Fahrt auf. Die entscheidende Lüge habe ich so nur zum Teil kommen sehen und auch die anschließenden Wendungen haben mich überrascht. Schade fand ich allerdings, dass diese Spannung erst ganz am Ende aufkam.
Der Schreibstil von Rebecca Taylor McKay hat mir dagegen sehr gut gefallen. Das Buch liest sich flüssig und leicht, wodurch ich trotz der Längen gut durch die Geschichte gekommen bin.
Auch die Figuren sind grundsätzlich interessant angelegt. Besonders gelungen fand ich, dass sich die wahren Charakterzüge einiger Personen erst nach und nach offenbaren. Mit Clara als Hauptfigur hatte ich allerdings zwischendurch meine Schwierigkeiten. Ihre Unsicherheit und Schwäche werden über einen langen Zeitraum immer wieder betont, was für mich etwas ermüdend war. Ihre Entwicklung am Ende, als sie schließlich die Wahrheit aufdeckt, hat mir dafür wieder gut gefallen.
Insgesamt hatte „Er lügt“ für mich viel Potenzial. Der spannende Einstieg, die atmosphärische Kulisse und das überraschende Finale konnten mich überzeugen. Leider verliert die Geschichte im Mittelteil deutlich an Spannung, sodass sich das Lesen zeitweise etwas gezogen hat. Wer gerne miträtselt, wird dennoch seinen Spaß haben – ich hätte mir allerdings mehr Lügen, mehr Intrigen und insgesamt mehr Spannung über die gesamte Handlung hinweg gewünscht.