Zwischen Amalfiküste, Luxus und dunklen Geheimnissen

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
teresa19 Avatar

Von

„Er lügt“ von Rebecca Taylor McKay entführt uns ins Jahr 1961 an die traumhafte Amalfiküste. Clara Carmichael verbringt dort mit ihrem reichen und charmanten Ehemann Spencer die Flitterwochen. Eigentlich könnte alles perfekt sein: Sonne, türkisblaues Meer, eine luxuriöse Unterkunft und eine wunderschöne Landschaft. Doch schon bald merkt Clara, dass mit ihrem Mann etwas nicht stimmt. Als sie schließlich einen anonymen Zettel mit den Worten „Er lügt“ erhält, beginnt sie, immer mehr an ihrem scheinbar perfekten Ehemann zu zweifeln.
Besonders gut gefallen hat mir das Setting. Die Autorin schafft es, die Amalfiküste mit ihren traumhaften Landschaften und dem italienischen Lebensgefühl sehr bildhaft einzufangen. Gleichzeitig steht diese sommerliche Idylle in einem starken Kontrast zu der zunehmend beklemmenden Atmosphäre. Hinter der strahlenden Fassade des Luxusurlaubs lauern Geheimnisse, Misstrauen und Lügen. Gerade diese Mischung hat für mich den besonderen Reiz der Geschichte ausgemacht.
Auch die Figuren fand ich interessant. Clara wirkt zunächst etwas zurückhaltend und naiv, entwickelt sich im Laufe der Handlung aber zu einer selbstbewussteren und entschlosseneren Protagonistin. Spencer gibt anfangs den perfekten Ehemann, doch nach und nach bekommt seine Fassade Risse. Auch Vivian und Fred, die Clara und Spencer während ihres Aufenthalts kennenlernen, sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Man weiß lange nicht, wem Clara eigentlich vertrauen kann.
Die Geschichte wird aus Claras Perspektive erzählt, wodurch man ihre Gedanken und Zweifel sehr gut miterlebt. Besonders die Frage, ob sie ihrem eigenen Mann noch glauben kann, zieht sich spannend durch die Handlung. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen und passt gut zu dem eher ruhigen Erzähltempo.
Allerdings sollte man wissen, dass „Er lügt“ kein rasanter Thriller ist. Gerade im Mittelteil gibt es einige ruhigere Passagen und Stellen, an denen die Handlung nur langsam vorankommt. Für meinen Geschmack hätte die Spannung hier teilweise etwas stärker sein dürfen. Dafür lebt das Buch von seiner Atmosphäre und dem stetig wachsenden Misstrauen.
Die verschiedenen Wendungen haben mir gut gefallen, auch wenn die Auflösung für mich nicht ganz so überraschend war, wie ich gehofft hatte. Das Ende kommt dann vergleichsweise schnell und hätte für meinen Geschmack etwas ausführlicher ausfallen dürfen.
Insgesamt ist „Er lügt“ ein atmosphärischer Psychothriller mit wunderschönem Setting, geheimnisvollen Figuren und einer gelungenen Mischung aus Sommeridylle und unterschwelliger Bedrohung. Wer einen actionreichen Pageturner erwartet, könnte von dem ruhigen Tempo enttäuscht sein. Wer dagegen atmosphärische Geschichten über Lügen, Geheimnisse und die Frage nach Vertrauen mag, sollte sich dieses Buch näher anschauen.