Endo - Entschuldigung für alles?!?

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steph Avatar

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„Erdbeeren und Zigarettenqualm“ ist ein Roman, der vor allem durch Nichtgesagtes lebt.
Madeleine Docherty zwingt den Leser/in regelrecht dazu über die namenlose Hauptfigur zu urteilen, ohne es selbst zu tun.

Die verwendete Du-Perspektive lässt einen häufig denken: „Nein, ich nicht, ich hätte das nicht gemacht… Oder doch?“

Nähe ist immer mit Unsicherheit verbunden, Beziehungen scheitern an unausgesprochenen Gefühlen.
Diese Darstellung macht die Figuren authentisch und greifbar, auch wenn einige Beziehungen eher angedeutet bleiben und nicht die Tiefe erreichen, die möglich gewesen wäre.

Und schuld an allem ist Endometriose, die intensiv erfahrbar gemacht wird.

Man wird direkt angesprochen und so in das Erleben von Schmerz, Kontrollverlust und körperlicher Entfremdung hineingezogen.

Die Figurenentwicklung bleibt teilweise unbefriedigend. Die Hauptfigur verharrt in ihren Mustern und ihre Handlungen erscheinen nicht immer nachvollziehbar.

Große Themen wie Krankheit, Identität und Selbstfindung werden zwar angesprochen, aber nicht konsequent verfolgt, ja, regelrecht verdrängt. Man weiß nicht, ob die Hauptfigur sich strafft und sich rafft, ob sie zukünftig ihre Probleme selbst löst und sich nicht weiter von anderen abhängig macht, um sie anschließend fallen zu lassen, wenn sie diese nicht mehr braucht.