Kinderwunsch- eine weibliche Sehnsucht

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Dieser Roman führt in einen scheinbar idyllischen Urlaub: Linn verbringt mit ihrem Partner Matze ein paar Tage in einem luxuriösen Strandbungalow, eingeladen von Felix, dem wohlhabenden Jugendfreund von Matze, und dessen Partnerin Eva. Doch hinter der entspannten Fassade aus Meerblick, Crémant und Sommerroutinen brodelt ein hochemotionales Thema. Für Linn ist dieser Urlaub mehr als eine Auszeit – danach soll ihr ein Embryo eingesetzt werden. Der Wunsch nach einem Kind ist übermächtig, gleichzeitig nagen Zweifel: Ist sie bereit? Wird sie eine gute Mutter sein?

Der Kontrast zu Eva, die scheinbar mühelos in ihrer Mutterrolle aufgeht, verstärkt Linns innere Zerrissenheit. Neid, Unsicherheit und stille Ablehnung stehen neben Faszination und vorsichtiger Annäherung. Während die Männer sich in Statusfragen und Alltagsritualen verlieren, entsteht zwischen den Frauen ein leiser, aber kraftvoller Austausch. In Gesprächen, kleinen Grenzüberschreitungen und Momenten unerwarteter Nähe beginnen festgefahrene Vorstellungen zu bröckeln. Aus Distanz wächst Verbundenheit – und schließlich eine Form von Solidarität, die über klassische Freundschaft hinausgeht.
Der Roman widmet sich einem sensiblen und viel diskutierten Thema: dem Kinderwunsch, der Kontrolle über den eigenen Körper und der gesellschaftlichen Erwartung an Frauen. Medizinische Details, Ratschläge aus Foren oder gut gemeinte Kommentare bilden dabei nur den Hintergrund. Im Mittelpunkt stehen die emotionalen Spannungen, die Wut, die Sehnsucht und die Verletzlichkeit, die mit diesem Thema einhergehen.

Der Schreibstil ist direkt, klar und ungeschönt, was der Geschichte eine besondere Intensität verleiht. Auch wenn mich das Cover zunächst nicht sofort angesprochen hat, wirkt es bei genauerem Hinsehen passend und durchdacht. Insgesamt erwarte ich einen tiefgehenden, mutigen Roman, der nicht beschönigt, sondern ehrlich und eindringlich zeigt, wie komplex und widersprüchlich der Wunsch nach einem Kind sein kann.