Echt schräg!

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mrs.beee Avatar

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Zwei ungleiche Paare, ein gemeinsamer Urlaub in Südfrankreich und ziemlich schnell wird klar, dass hier nicht alle auf Augenhöhe sind.
Felix hat das Geld, die Ferienwohnung und damit auch die Macht. Linn und Matze dürfen mit, aber eben in Felix’ Welt. Er stellt das Haus zur Verfügung, gibt den Ton an und bestimmt, was läuft. Besonders in der Freundschaft zwischen Matze und Felix wird dieses Ungleichgewicht deutlich. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit und Matze nimmt erstaunlich selbstverständlich hin, dass Felix ihn weiterhin zum Beispiel als Grundschullehrer bezeichnet, obwohl er an einer Berufsschule arbeitet. Nicht einmal unbedingt aus Bosheit, eher aus dieser selbstverständlichen Arroganz und dem Desinteresse, das Felix an vielen Stellen an den Tag legt.

Auch zwischen Linn und Eva herrscht zunächst eine Distanz. Eva hat mit Felix zwei Kinder, Otto und ein namenloses Baby. Linn versucht dagegen vergeblich, schwanger zu werden und steht erneut vor einer künstlichen Befruchtung. Nach und nach nähern sich die beiden Frauen an und werden zu einer Art Verbündeten. Genau dieser Wandel war für mich allerdings nicht ganz nachvollziehbar. Plötzlich gibt es heimliche Absprachen, Dinge werden voreinander versteckt oder weggenommen. Das hatte für mich teilweise etwas Seltsames.

Interessant fand ich die Frage, was von einer Frau übrig bleibt, wenn sie vor allem über ihren Körper, ihre Mutterschaft und ihre Fürsorge definiert wird. Dass Evas Baby im gesamten Roman keinen Namen bekommt und immer nur „Baby“ genannt wird, während sein Bruder Otto selbstverständlich einen Namen hat, ist bezeichnend. Das Baby wird auf seine Funktion reduziert und auch Eva scheint vor allem in ihrer Rolle als Mutter zu existieren. Linn wiederum erlebt ihren Körper vor allem als etwas, das nicht das tut, was sie sich wünscht.

Eva und Linn sind auf ganz unterschiedliche Weise in ihren Rollen gefangen. Die eine als Mutter, die andere als Frau, die unbedingt Mutter werden möchte. Erst nach und nach wird sichtbar, dass beide trotz ihrer völlig unterschiedlichen Lebenssituationen weniger frei sind, als es zunächst scheint. Vielleicht liegt genau darin ihre Verbindung.

Dass die beiden Frauen sich schließlich im Haus einschließen und erst wieder herauskommen, als die Putzfrau auftaucht, lässt sich für mich durchaus als Bild für diese Unfreiheit lesen.

Was zunächst interessant und vielversprechend beginnt, driftet für mich im Laufe der Geschichte immer stärker ins Groteske und teilweise auch ins Unglaubwürdige ab. Gerade Linn fand ich zunehmend schwierig. Ihre extreme Wut ist nachvollziehbar, aber irgendwann war sie für mich einfach zu viel, fast schon befremdlich.

Die Grundidee des Romans fand ich spannend. Zwei Frauen erkennen in der jeweils anderen etwas von ihrer eigenen Unfreiheit, obwohl ihre Lebenssituationen kaum unterschiedlicher sein könnten. Aber die Umsetzung hat mich leider nicht überzeugt. Mir fehlte vor allem die Tiefe, die ich bei diesem Thema erwartet hätte. Vieles wirkte auf mich zu konstruiert und zu skurril.