Frauenleben

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dajobama Avatar

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Es ist hell und draußen dreht sich die Welt – Dita Zipfel
Zwei Paare machen zusammen Urlaub. Bezahlt wird dieser Aufenthalt jedoch nur von Eva und Felix. Dem Paar, das auch bereits zwei Kinder hat. Für Linn sind das gleich zwei wunde Punkte. Nicht nur empfindet sie den deutlichen Klassenunterschied als unangenehm, zusätzlich ist es ihr sehnlicher Wunsch, endlich schwanger zu werden. Nach diesem Urlaub soll die Kinderwunschbehandlung starten. Trotz allen Unterschieden scheinen die beiden Frauen sich anzufreunden.
Der Erzählstil ist angenehm, modern und frisch, eingängig. Die Kapitel sind meist kurz und werden aus der Sicht der unterschiedlichen Figuren erzählt, die jedoch alle eher ein wenig auf Distanz bleiben.
Anfangs sind es scheinbar ganz normale Situationen, ganz gewöhnliche Probleme, mit denen die Protagonisten sich herumschlagen. Es wirkt alles sehr authentisch, wenn auch teilweise recht offenherzig und unverblümt erzählt. Zunehmend sind die Macken der Figuren allerdings immer noch einen Tick drüber. Die eine hat ein Aggressionsproblem, die andere ist kleptomanisch veranlagt. Die Herren versuchen, einen unbeteiligten Eindruck zu machen. Grenzüberschreitungen und Geheimnisse auf allen Seiten. Das Ganze bekommt einen skurrilen Touch. Eigentlich schade, denn es sind so unheimlich wichtige, feministische Inhalte dabei, die damit ein wenig an Ernsthaftigkeit verlieren.
Es ist eine unglaubliche Bandbreite an Gefühlen zwischen den einsamen Überforderungen der Mutterschaft hier und purem Neid dort, welche die Figuren, insbesondere die Frauen immer weniger unter Kontrolle halten können. Gerade Linn ist unberechenbar, aufbrausend und völlig außer Kontrolle – genau wie das Ende, das für mich absolut überraschend und doch irgendwie passend kam. Ganz glücklich war ich damit jedoch nicht. Zu gewollt feministisch und rabiat.
Insgesamt trotzdem wirklich interessant mit viel Inhalt zwischen den Zeilen. 3 Sterne