interessant und fesselnd, und speziell

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hiclaire Avatar

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Ein interessantes Leseerlebnis, aber schon sehr speziell.

Zwei Paare, Felix und Eva, Matze und Linn, verbringen einige Tage in einem Luxus-Apartment am Meer. Mal abgesehen vom unterschiedlichen sozialen Status, zunächst eine eher unkomplizierte Ausgangssituation. Auf den zweiten Blick wird es schwieriger, und im weiteren Verlauf rücken Hinter- und Abgründe in den Vordergrund, die mich haben schlucken lassen.

Linn und Matze wünschen sich ein Kind, und Linn kann nicht schwanger werden. Ihre seelischen und körperlichen Qualen, die Strapazen, die die Behandlungen in der Kinderwunschklinik mit sich bringen, werden frappierend offen und eindringlich beschrieben. Ihr gegenüber steht Eva, zehn Jahre jünger und bestürzend fruchtbar. Ihre Probleme sind anders geartet, doch nicht minder dramatisch. Beide fühlen sich mit ihrer jeweiligen Situation überfordert, die eine zu viel Mutter, die andere zu wenig. Und trotzdem entwickelt sich etwas zwischen den Beiden, etwas, das die ahnungslosen, etwas unbedarft wirkenden Männer außen vor lässt.

Im Laufe der Geschichte wird man zunehmend mit befremdliche Gefühlen, Situationen und Gedanken konfrontiert. Mitunter drastisch und ein bisschen eklig, habe ich es als schwierig bis beklemmend empfunden, derart intensiv in die Gefühlswelt der Protagonistinnen einzutauchen. Und ich habe mich gefragt, ob es von tieferer Bedeutung ist, dass Baby keinen Namen hat?

Sprache und Erzählstil sind eigenwillig und von großer Intensität, mit interessanten Beschreibungen und ausgefallenen Metaphern. Die Geschichte bleibt eng an den Frauenfiguren, doch auch die Freundschaft von Matze und Felix wird beleuchtet.

Das Ende, nun ja, seltsam und etwas bizarr, was allerdings zu dieser Geschichte passt, die mir jetzt nicht unbedingt gefallen, mich jedoch fasziniert und gefesselt hat.