Sehr unterhaltsames Kammerspiel

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marikutsch Avatar

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Nach allen Romanen, auf deren Umschlag Frauengesichter abgebildet sind, hat mich Es ist hell und draußen dreht sich die Welt schon durch den forschen Blick eines Kanarienvogels neugierig gemacht.
Im Roman erwartet uns fast schon ein Kammerspiel in einem luxuriösen Ferienhaus in Südfrankreich, das der versnobte Felix für seine Familie und ein befreundetes Paar gemietet hat. Dass die Konstellation nicht gut gehen kann, erahnt man bereits auf den ersten Seiten.
Besonders gut haben mir die beiden Frauenfiguren gefallen: Eva, die wunderschöne, angepasste "Urmutter" und Linn, die ein wenig durchgeknallte, systemkritische, ungewollt kinderlose Frau. Sie könnten Feindinnen sein und bewundern sich zunächst gegenseitig aus der Distanz, bis sie sich solidarisch verbünden.
Das Buch verhandelt auf sehr unterhaltsame Weise Themen wie Freundschaft und Klassismus, aber auch Feminismus und (ungewollte oder unerfüllte) Mutterschaft. So schwer diese Themen wiegen, so leicht und schnell liest sich der Roman, der am Ende einen doch ziemlich unerwarteten Twist hat. Alle Figuren sind sehr gut gezeichnet und so kurios und lustig das Buch bisweilen ist, so sehr stößt es auch viele Denkprozesse an. Es ist genau die Art tiefgründiger Unterhaltung, die ich liebe.