Mehr Fragezeichen als Nachhall nach starkem Beginn

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vo.nicole Avatar

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Dita Zipfel erzählt in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von einem Urlaub, der für Linn und Matze mehr bedeutet als Erholung: Nach dieser Reise soll Linn ein Embryo eingesetzt werden, um dem gemeinsamen Kinderwunsch näherzukommen. Den Urlaub verbringen sie mit Felix und dessen Frau Eva, deren scheinbar selbstverständliche Rolle als Mutter Linn zwischen Neid, Unsicherheit und Selbstbefragung schwanken lässt. Während die Männer ihren eigenen Dynamiken folgen, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine leise, unerwartete Nähe, die bestehende Bilder von Mutterschaft, Weiblichkeit und Beziehung infrage stellt.

Der Schreibstil des Buches hat mir gut gefallen: knapp, reduziert und dennoch voller Zwischentöne. Besonders der erste Teil des Romans überzeugt, weil er fein herausarbeitet, wie sehr wir uns mit anderen vergleichen, wie wenig wir gleichzeitig über die inneren Kämpfe des Gegenübers wissen und wie schnell Neid und Fehlinterpretationen entstehen. Jeder hat sein Päckchen - das wir durch die unterschiedlichen Perspektiven in den kurzen Kapiteln sehr deutlich zu Beginn. Die Figuren sind dabei allesamt sehr unterschiedlich und bieten für mich wenig Identifikationspotenzial. Das störte mich zunächst nicht, wird aber im weiteren Verlauf des Romans immer schwieriger für mich: Einige Handlungen und Entwicklungen wirkten auf mich zunehmend abstrus und schwer nachvollziehbar, wodurch die Glaubwürdigkeit der Geschichte im zweiten Teil deutlich nachließ. Auch das Ende lässt mich eher verwirrt als nachdenklich zurück und ich habe sehr viele offene Fragen.

Insgesamt ist „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ein Roman mit einem vielversprechendem Anfang, der wichtige Themen wie Mutterschaft, Zweifel und weibliche Verbundenheit anspricht, sich für mich aber im Verlauf verliert und hinter seinen Möglichkeiten bleibt.