Unterhaltsamme Aufführung mit Tiefe

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marieon Avatar

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Felix hat eingeladen. Felix hat bezahlt. Jetzt betreten Matze, Linn, Eva, Felix und ihre beiden Kinder den Bungalow. Ein loftähnlicher Traum aus bodentiefen Fenstern und Beton. Die Terrasse ist riesig, das azurblaue Mittelmeer zu ihren Füßen. Linn traut sich kaum zu atmen. Eva erobert eines der Schlafzimmer und verschwindet darin. Felix ist Matzes ältester Freund. Matze erinnert sich noch gut an den Fünfzehnjährigen.

Linn hat das Bad aufgesucht. Der rostrote Streifen in ihrem Höschen gibt Anlass zur Sorge. Im Fertilisationsforum findet sie keine befriedigende Antwort. Eva ruft sehr laut Scheiße. Linn zerrt ihre Hose wieder hoch und lugt um die Ecke. Eva hat das namenlose Baby auf dem Arm, das seine kleine Faust um ihre Haare geschlossen hat. Evas Blick fällt auf Linn und sofort drückt sie ihr Baby in die Arme. Linn hält Baby, wie man eine alte fette Katze halten würde. Eva rennt ins Schlafzimmer und kommt mit einer Federschaukel zurück, findet aber in dem kantenlosen Neubau nichts, wo sie sie aufhängen könnte.

Eva steht vor dem Badezimmerspiegel und wäscht sich Babys Kotze aus dem Shirt. Der BH hat auch etwas abbekommen, also runter damit. Ihr Blick, den sie sonst vermeidet, fällt auf die prallen, hängenden Brüste. Sie umfasst die linke, drückt sie nach oben, greift mit der rechten Hand nach und bringt sie in die Form, die sie vor zwei Schwangerschaften hatte. Bekümmert lässt sie sie wieder fallen, als die Badezimmertür aufgeht und Linn im Türrahmen erscheint. Peinlich berührt, den Blick etwas zu lang auf Evas Brüste geheftet, entschuldigt sie sich.

Fazit: Dita Zipfel, Drehbuchautorin und Essayistin, hat sich in dieser Geschichte der weiblichen Selbstbestimmung gewidmet. Gekonnt inszeniert sie eine Story um zwei Paare, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eva ist Sinnbild des Weiblichen und wird wegen ihrer Ruhe und gekonnten Mutterschaft von Linn heimlich bewundert. Linn möchte ein Kind, aber ihre Eierstöcke wollen nicht mehr. Sie lässt sich künstlich befruchten und glaubt, dass man ihr nach diesem Kurzurlaub sechs herrlich entwickelte In-vitro-Zellen einsetzen wird. Evas Mann Felix ist der selbstgefällige Selfmadereiche Typ, der einfach alles bekommt, was er will, inklusive einer schönen, jüngeren Eva. Matze besticht mit seiner Geduld, die Menschen, die er mag, so zu lassen, wie sie sind. Linn macht aus ihrer Abneigung gegen Felix keinen Hehl. Matze ist stets bemüht, loyal zu vermitteln. Im Laufe der Handlung kommt es zu einigen komischen Verwicklungen. Die Annäherung zwischen den Frauen hat mir gut gefallen. Die Geschichte wird mir aus Sicht eines allwissenden Erzählers vermittelt. Das Ende ist krass und nur dadurch verständlich, dass die Autorin ein ausgezeichnetes Szenario auf die Spitze treibt. Gut ausgearbeitete Charaktere. Sehr unterhaltsame Aufführung mit Tiefe.