Von Männerschweigen und Frauenbündnissen
"Der Goldton des spätsommerlichen Nachmittags liegt wie ein Filter über der Situation. Dem Frieden ist nicht zu trauen."
Zwei ungleiche Paare machen zusammen Urlaub an der Côte d'Azur: Linn und Matze sind Ende 30, haben nicht viel Geld und einen unerfüllten Kinderwunsch - seit einiger Zeit ist Linn deshalb in Behandlung. Ganz anders sieht es bei Eva und Felix aus: Felix ist erfolgreicher Unternehmer, Eva die 10 Jahre jüngere und wunderschöne Stay-at-home-Mom; sie haben weder Geldsorgen noch Probleme mit der Fortpflanzung. Linn als progressive Feministin will Felix und sein Geld, Eva und ihre Perfektion unbedingt hassen. Doch zwischen den Frauen entspinnt sich langsam aber sicher eine Verbindung, die sie zu ungeahnten Verbündeten macht.
Das Buch nutzt klassische Motive des Kammerspiels: Zwei Paare mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Charakteren, "eingesperrt" in einem luxuriösen Ferienhaus in Frankreich. Alle Konflikte verdichten sich in dieser Atmosphäre auf die wenigen beteiligten Figuren, die innerhalb von einer Woche alle nur erdenklichen Emotionen miteinander durchmachen. Im Fokus stehen aber Eva und Linn, die beiden Frauen, die sich zunächst kritisch beäugen, dann aber eine Schwesternschaft eingehen, mit der sie beide nicht gerechnet hatten. Solche Geschichten von Verschwesterungen mag ich ja, und es ist der Autorin auch gut gelungen, diese langsame Anbahnung authentisch darzustellen. Das gelingt insbesondere durch die schnell aufeinander folgenden Perspektivwechsel, durch die man die Innenschau der Protagonist*innen kennenlernt und so auch versteht, dass sie mehr sind, als der Schein vorgibt. Außer vielleicht Felix - er ist, wie es aussieht, wirklich einfach genau der oberflächliche und verwöhnte Arsch, als den ihn insbesondere Linn wahrnimmt.
Die Männer spielen tendenziell eine untergeordnete Rolle - Linn und Matze sind zwar nur aufgrund der Männerfreundschaft zu Felix' und Eva's Urlaub eingeladen worden, die Verbindung zwischen den beiden Herren gestaltet sich aber in etwas genau so, wie man es aus Klischee-Reels zu Männerbeziehungen kennt: oberflächliches Schulterklopfen, die immer gleichen Witze, unangenehme Machtdynamiken. Aber auch dahinter verbirgt sich mehr, wie man im Laufe des Romans herausfindet, und man sieht die etwas unausgereifte Freundschaft der beiden doch noch mit anderen Augen.
Leider verliert sich der Roman immer wieder in Andeutungen, die nicht zu Ende geführt werden. Linn verhält sich manchmal so außerordentlich seltsam und daneben, ohne dass es sozial wirklich sanktioniert würde. Die Paardynamiken scheinen durch, werden aber nicht in der Tiefe thematisiert. Das Kinderthema ist reduziert auf anstrengendes Mutterdasein, ungewollte Schwangerschaften und Verantwortlichkeiten, Kinderlosigkeit. Linns Aussage dazu, dass Frauen, die keine Kinder wollen, einfach nur sehr erfolgreich darin sind zu verdrängen, DASS sie welche wollen, finde ich als Frau ohne Kinderwunsch geschmacklos. Evas Selbstkasteiung, dass sie beim Sex darauf hätte achten müssen, dass Felix verhütet, finde ich als Feministin schwierig, da dem Mann damit wieder die gesamte Verantwortung abgenommen wird. Und ab dem letzten Drittel versandet der Roman in Merkwürdigkeiten, die nie aufgelöst werden - es hat den Anschein, als hätte die Autorin ein wenig magischen Realismus verbauen wollen, darüber hinaus aber ihre Kammerspiel-Logik völlig vergessen, und so steht man als Leserin am Ende etwas ratlos da und fragt sich: Was sollte das jetzt? Insgesamt also ein leicht lesbarer, menschlich zugänglicher Roman über Paare, Kinder und Frauenbündnisse, der sein volles Potenzial aber irgendwo unterwegs verliert.
Zwei ungleiche Paare machen zusammen Urlaub an der Côte d'Azur: Linn und Matze sind Ende 30, haben nicht viel Geld und einen unerfüllten Kinderwunsch - seit einiger Zeit ist Linn deshalb in Behandlung. Ganz anders sieht es bei Eva und Felix aus: Felix ist erfolgreicher Unternehmer, Eva die 10 Jahre jüngere und wunderschöne Stay-at-home-Mom; sie haben weder Geldsorgen noch Probleme mit der Fortpflanzung. Linn als progressive Feministin will Felix und sein Geld, Eva und ihre Perfektion unbedingt hassen. Doch zwischen den Frauen entspinnt sich langsam aber sicher eine Verbindung, die sie zu ungeahnten Verbündeten macht.
Das Buch nutzt klassische Motive des Kammerspiels: Zwei Paare mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen und Charakteren, "eingesperrt" in einem luxuriösen Ferienhaus in Frankreich. Alle Konflikte verdichten sich in dieser Atmosphäre auf die wenigen beteiligten Figuren, die innerhalb von einer Woche alle nur erdenklichen Emotionen miteinander durchmachen. Im Fokus stehen aber Eva und Linn, die beiden Frauen, die sich zunächst kritisch beäugen, dann aber eine Schwesternschaft eingehen, mit der sie beide nicht gerechnet hatten. Solche Geschichten von Verschwesterungen mag ich ja, und es ist der Autorin auch gut gelungen, diese langsame Anbahnung authentisch darzustellen. Das gelingt insbesondere durch die schnell aufeinander folgenden Perspektivwechsel, durch die man die Innenschau der Protagonist*innen kennenlernt und so auch versteht, dass sie mehr sind, als der Schein vorgibt. Außer vielleicht Felix - er ist, wie es aussieht, wirklich einfach genau der oberflächliche und verwöhnte Arsch, als den ihn insbesondere Linn wahrnimmt.
Die Männer spielen tendenziell eine untergeordnete Rolle - Linn und Matze sind zwar nur aufgrund der Männerfreundschaft zu Felix' und Eva's Urlaub eingeladen worden, die Verbindung zwischen den beiden Herren gestaltet sich aber in etwas genau so, wie man es aus Klischee-Reels zu Männerbeziehungen kennt: oberflächliches Schulterklopfen, die immer gleichen Witze, unangenehme Machtdynamiken. Aber auch dahinter verbirgt sich mehr, wie man im Laufe des Romans herausfindet, und man sieht die etwas unausgereifte Freundschaft der beiden doch noch mit anderen Augen.
Leider verliert sich der Roman immer wieder in Andeutungen, die nicht zu Ende geführt werden. Linn verhält sich manchmal so außerordentlich seltsam und daneben, ohne dass es sozial wirklich sanktioniert würde. Die Paardynamiken scheinen durch, werden aber nicht in der Tiefe thematisiert. Das Kinderthema ist reduziert auf anstrengendes Mutterdasein, ungewollte Schwangerschaften und Verantwortlichkeiten, Kinderlosigkeit. Linns Aussage dazu, dass Frauen, die keine Kinder wollen, einfach nur sehr erfolgreich darin sind zu verdrängen, DASS sie welche wollen, finde ich als Frau ohne Kinderwunsch geschmacklos. Evas Selbstkasteiung, dass sie beim Sex darauf hätte achten müssen, dass Felix verhütet, finde ich als Feministin schwierig, da dem Mann damit wieder die gesamte Verantwortung abgenommen wird. Und ab dem letzten Drittel versandet der Roman in Merkwürdigkeiten, die nie aufgelöst werden - es hat den Anschein, als hätte die Autorin ein wenig magischen Realismus verbauen wollen, darüber hinaus aber ihre Kammerspiel-Logik völlig vergessen, und so steht man als Leserin am Ende etwas ratlos da und fragt sich: Was sollte das jetzt? Insgesamt also ein leicht lesbarer, menschlich zugänglicher Roman über Paare, Kinder und Frauenbündnisse, der sein volles Potenzial aber irgendwo unterwegs verliert.