Wenn Mutterschaft zur Kampfzone wird
Mit „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ legt Dita Zipfel einen kraftvollen Gegenwartsroman vor, erschienen im Insel Verlag. Erzählt wird von zwei Paaren, die gemeinsam Urlaub an der Côte d’Azur machen und von zwei Frauen, deren Leben unterschiedlicher kaum sein könnten. Linn steht kurz vor einer weiteren IVF-Behandlung, Eva ist bereits Mutter zweier Kinder. Zwischen Sommerhitze, Gesprächen am Strand und unterschwelligen Spannungen entfaltet sich ein Roman über Mutterschaft, Körper, Klassenunterschiede und weibliche Selbstbestimmung.
Meine Meinung
Ich wollte dieses Buch zuerst nicht lesen. Nicht noch ein Roman über (unerfüllte) Mutterschaft, dachte ich. Nicht weil das Thema nicht wichtig ist oder es nicht super Bücher dazu gibt ("Im Leben nebenan", "Eva" und "Der Schlaf der anderen" - I am looking at you), aber weil ich in letzter Zeit einfach viel zu dem Thema gelesen hab. Tja...und dann hat mich doch etwas gereizt. Was soll ich sagen: Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Zipfels Text macht es einem leicht und gleichzeitig schwer, wegzuschauen.
Formal lebt der Roman von kurzen Kapiteln, wechselnden Perspektiven (Linn, Eva, Matze, Felix, Latifa), vielen unausgesprochenen Konflikten und einer großen inneren Spannung. Es hat mich vom Schreibstil her sehr an "Blaues Wunder" von Anne Freytag erinnert, auch wenns thematisch ganz anders ist. Besonders gelungen finde ich, wie präzise Zipfel soziale Unterschiede und Klassenbewusstsein beobachtet, etwa in scheinbar beiläufigen Momenten: „Vielleicht ist es ein Privileg der Reichen, vom Interieur in Ruhe gelassen zu werden.“ (S. 8)
Inhaltlich geht es natürlich um Kinderwunsch und Mutterschaft aber eben nicht nur. Es geht um weibliche Körper als Projektionsflächen, um Schuld, Angst und Kontrolle. Um Männer, die Raum einnehmen, ohne ihn zu hinterfragen. Und um Frauen, die lernen, sich zu verbünden.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Orientierung: Die Perspektivwechsel sind raffiniert, aber nicht immer klar gekennzeichnet. Kapitelüberschriften mit Namen hätten mir stellenweise geholfen. Trotzdem: Die psychologische Tiefe der Figuren und der kammerspielartige Aufbau tragen den Roman souverän.
Fazit
"Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" ist ein wütender, stringent erzählter und sehr gegenwärtiger Roman über Mutterschaft, Macht und weibliche Solidarität. Für alle, die feministische Gegenwartsliteratur, psychologisch dichte Texte und Sally-Rooney-eske Kammerspiele mögen. Kein Wohlfühlbuch, aber eins das man nicht weglegen kann. Danke an Vorablesen.de und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar.
Meine Meinung
Ich wollte dieses Buch zuerst nicht lesen. Nicht noch ein Roman über (unerfüllte) Mutterschaft, dachte ich. Nicht weil das Thema nicht wichtig ist oder es nicht super Bücher dazu gibt ("Im Leben nebenan", "Eva" und "Der Schlaf der anderen" - I am looking at you), aber weil ich in letzter Zeit einfach viel zu dem Thema gelesen hab. Tja...und dann hat mich doch etwas gereizt. Was soll ich sagen: Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Zipfels Text macht es einem leicht und gleichzeitig schwer, wegzuschauen.
Formal lebt der Roman von kurzen Kapiteln, wechselnden Perspektiven (Linn, Eva, Matze, Felix, Latifa), vielen unausgesprochenen Konflikten und einer großen inneren Spannung. Es hat mich vom Schreibstil her sehr an "Blaues Wunder" von Anne Freytag erinnert, auch wenns thematisch ganz anders ist. Besonders gelungen finde ich, wie präzise Zipfel soziale Unterschiede und Klassenbewusstsein beobachtet, etwa in scheinbar beiläufigen Momenten: „Vielleicht ist es ein Privileg der Reichen, vom Interieur in Ruhe gelassen zu werden.“ (S. 8)
Inhaltlich geht es natürlich um Kinderwunsch und Mutterschaft aber eben nicht nur. Es geht um weibliche Körper als Projektionsflächen, um Schuld, Angst und Kontrolle. Um Männer, die Raum einnehmen, ohne ihn zu hinterfragen. Und um Frauen, die lernen, sich zu verbünden.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Orientierung: Die Perspektivwechsel sind raffiniert, aber nicht immer klar gekennzeichnet. Kapitelüberschriften mit Namen hätten mir stellenweise geholfen. Trotzdem: Die psychologische Tiefe der Figuren und der kammerspielartige Aufbau tragen den Roman souverän.
Fazit
"Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" ist ein wütender, stringent erzählter und sehr gegenwärtiger Roman über Mutterschaft, Macht und weibliche Solidarität. Für alle, die feministische Gegenwartsliteratur, psychologisch dichte Texte und Sally-Rooney-eske Kammerspiele mögen. Kein Wohlfühlbuch, aber eins das man nicht weglegen kann. Danke an Vorablesen.de und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar.