Zwei Lebensrealitäten

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kaenzyy Avatar

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Ein gemeinsamer Urlaub unter Freunden, was soll da schon schiefgehen?
Doch könnten die beiden Paare nicht unterschiedlicher sein.
Eva und Felix mit ihren zwei Kindern und einem Leben im Luxus, wobei nicht alles Gold ist was glänzt.
Linn und Matze mit ihrem unerfülltem Kinderwunsch und unterschiedlicher Meinung, inwiefern diese vier Menschen tatsächlich Freunde sind.

Kinderwunsch ist ein sehr sensibles und intimes Thema.
Viele Paare leiden darunter, wenn es einfach nicht funktionieren will, egal was sie tun.
Die Ursachen sind zwar verschieden, der Schmerz jedoch ist gleich.
Linn und Matze sind ebenfalls davon betroffen.
Zwar soll nach dem Urlaub die IVF Behandlung starten, aber trotzdem haben sie dadurch keine Garantie.
Man begleitet vor allem Linns Gedanken zu diesem Thema und spürt ihre Hilflosigkeit.
"Sie will doch einfach nur das es klappt!"
Die Behandlung fordert aber auch einen Tribut, den sie nicht beschönigt.

Mit Eva bekommt man dann das komplette Gegenteil und dadurch entstehen viele interessante Gespräche und Gedanken, aber auch Konflikte.
Sie und Felix hatten nie Probleme mit dem Kinder kriegen.
Gerade Felix betont das wiederholt, denn von Empathie hat er noch nie etwas gehört.
Dennoch führt Eva deswegen kein Leben im Dauerglück.
Sie ist ausgelaugt und am Ende ihrer Kräfte, muss sie sich doch um zwei kleine Kinder kümmern, während ihr Mann dabei keine Hilfe ist und es auch nicht als seine Verantwortung betrachtet.
"Du schaffst das schon, Bubu."
Der Umgang mit dem Thema hat mir persönlich gefallen und so weit ich das beurteilen kann, war es auch sehr authentisch beschrieben.

Die beiden Frauen entwickeln eine spannende Beziehung.
Sie bewundern sich gegenseitig für die Dinge, für die sie sich selbst verurteilen.
Finden den Körper der jeweils anderen schön, ihren eigenen aber nicht oder nicht mehr.
Sie entwickeln ein Verständnis füreinander, obwohl man im ersten Moment denken könnte, dass das was sie unterscheidet einen Keil zwischen sie treiben oder Spannungen erzeugen könnte.
Linn und Eva sehen einander ohne Einschränkungen und können die Personen sein, die sie brauchen.
Manchmal auch mit rauem Ton, aber meist immer mit guter Absicht.

Mit der Zeit entwickelt die Handlung einen leicht schrägen Touch.
Ich konnte die Charaktere nicht mehr einschätzen und die Situation in der sie sich befunden haben war unübersichtlich.
Dadurch fiel es mir schwer das Ende einzuordnen, ich fühlte mich damit etwas allein gelassen und überfordert.
Auf der anderen Seite lässt es dadurch Raum für eine Interpretationen, eine eigentlich spannende Möglichkeit.
Insgesamt habe ich das Buch aber gerne gelesen und mochte die angesprochenen Themen sehr gerne.