Tieftraurige Überraschung

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ninaalbert Avatar

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Das Cover zieht den Blick magisch an – kein lautes Versprechen, sondern eine stille Aufforderung, stehen zu bleiben und genauer hinzusehen. Es weckt Neugier, noch bevor man den ersten Satz gelesen hat. Auch der Titel Es war anders nicht möglich bleibt im Kopf haften: eine alltägliche Redewendung, fast achtlos gesprochen, die hier jedoch wie ein schweres Resümee wirkt, getragen von unausgesprochenen Entscheidungen und inneren Rechtfertigungen.

Beim Eintauchen in die Leseprobe stellt sich augenblicklich das Gefühl ein, in ein offenes Bewusstsein hineinzulauschen. Der Text entfaltet sich nicht linear, sondern tastend, suchend. Der Stil von Svenja Liesau ist roh und ungeschönt, von einer schonungslosen Ehrlichkeit geprägt. Sätze sind kurz, teils abgehackt, Gedanken brechen ab, verschieben sich, setzen neu an – ohne Übergänge, ohne Rücksicht auf Lesekomfort.

Gerade diese Fragmentierung verleiht dem Text seine Intensität. Man liest keine glatt erzählte Geschichte, sondern folgt einem inneren Ringen, einem ständigen Kreisen um Fragen, Zweifel und Selbstbilder. Es ist ein Schreiben, das nicht erklärt, sondern freilegt – und das einen noch lange begleitet, weil es so nah an das Unsagbare heranrückt.