Die unästhetische Realität hinter Trauer und mental health
Es war nicht anders möglich von Svenja Liesau / Rezension
✨Zitate
»Die Trauer hat mich noch nicht. Nein, noch würde es mich überhaupt nicht überraschen, wenn du einfach zur Tür reinkämst, dir eine Zigarette in den Mundwinkel klemmen und, bevor du sie anzündetest, sagen würdest: „Na, meine Kleene!“ Dieses Szenario ist für mich nach wie vor wahrscheinlicher, als dass du nie wieder durch eine Tür kommst.«
»Das Leben ist ein Parkplatz und ich bin ohne Führerschein zur Welt gekommen.«
»Mittwoch ist mir der liebste Tag. Da steckt man mitten in der Scheiße, hat aber noch noch nicht so viel verbockt, dass man’s nicht noch an den vier verbleibenden Tagen wieder rausreißen könnte. Die Betonung liegt hier auf „könnte.“«
✨Inhalt
Obwohl er auch vorher nicht wirklich für sie da war, zieht der plötzliche Tod ihres Vaters unserer Protagonistin Martina den Boden unter den Füßen weg. Sie taumelt mehr schlecht als recht durch das Leben in Berlin, der völlige Absturz ist nah, aber so ist auch Hilfe und Hoffnung.
✨Meinung
Svenja Liesau nimmt Trauer und Verlust sämtliche gesellschaftlich akzeptierte Masken ab. Schließlich wissen wir: während alle für Trauer Verständnis haben (natürlich), darf diese dennoch nicht unbequem, laut oder gar unendlich sein. Man solle sich doch bitte zusammenreißen und das Leben geht doch weiter. Oder?
Martina nimmt uns als sehr direkte und nicht angepasste Ich-Erzählerin mit in eine Abwärtsspirale vor der Kulisse von Berlin. Das Buch ist überhaupt gedrucktes Berlin Core, man muss es lieben. Die Gestaltung des Buchs ist dabei ebenso ungewöhnlich wie der Schreibstil der Autorin. Ich war nur aufgrund früherer Lektüre von Büchern wie „The vegetarian“ und „Cursed bunny“ nicht wirklich geschockt von den stattfindenden Ausschweifungen und den mentalen Bildern, die hier heraufbeschworen werden 😅. Ich kann es aber durchaus verstehen, wenn es für andere LeserInnen zu viel und zu unerträglich ist.
Ansonsten hat mich dieser Roman noch ein wenig an „Der achtzehnte Stock“ erinnert, das hatte ich damals auch geliebt.
Martina begegnen viele interessante Gestalten, sei es im Späti, in der Eckkneipe oder ihrem Wohnhaus. An einigen Stellen habe ich auch laut lachen müssen. Andere Stellen haben mich verzweifeln lassen und viel Wut ist mir hochgekocht, z.B. angesichts der Art und Weise wie Martinas Mutter sie behandelt hat.
Das Buch beinhaltet sehr wichtige Themen, die Autorin hat sich für einen radikalen und nicht ästhetischen Weg entschieden, das, was ihr am Herzen liegt, zu Papier zu bringen.
✨Fazit
Es wird nicht jedem gefallen, es ist ein sprachlich extremes und herausforderndes Buch. Eine Leseprobe würde aber Klarheit verschaffen. Mich hat das Buch schon angesprochen und hat mich auch sehr berührt. Gegen Ende hat sich die Erzählstimme etwas selbst verloren, so dass es hier schwieriger war, am Ball zu bleiben. Aber das widerspiegelt lediglich das Trauma, das Martina durchmacht.
Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild!
4/5⭐️⭐️⭐️⭐️
✨Zitate
»Die Trauer hat mich noch nicht. Nein, noch würde es mich überhaupt nicht überraschen, wenn du einfach zur Tür reinkämst, dir eine Zigarette in den Mundwinkel klemmen und, bevor du sie anzündetest, sagen würdest: „Na, meine Kleene!“ Dieses Szenario ist für mich nach wie vor wahrscheinlicher, als dass du nie wieder durch eine Tür kommst.«
»Das Leben ist ein Parkplatz und ich bin ohne Führerschein zur Welt gekommen.«
»Mittwoch ist mir der liebste Tag. Da steckt man mitten in der Scheiße, hat aber noch noch nicht so viel verbockt, dass man’s nicht noch an den vier verbleibenden Tagen wieder rausreißen könnte. Die Betonung liegt hier auf „könnte.“«
✨Inhalt
Obwohl er auch vorher nicht wirklich für sie da war, zieht der plötzliche Tod ihres Vaters unserer Protagonistin Martina den Boden unter den Füßen weg. Sie taumelt mehr schlecht als recht durch das Leben in Berlin, der völlige Absturz ist nah, aber so ist auch Hilfe und Hoffnung.
✨Meinung
Svenja Liesau nimmt Trauer und Verlust sämtliche gesellschaftlich akzeptierte Masken ab. Schließlich wissen wir: während alle für Trauer Verständnis haben (natürlich), darf diese dennoch nicht unbequem, laut oder gar unendlich sein. Man solle sich doch bitte zusammenreißen und das Leben geht doch weiter. Oder?
Martina nimmt uns als sehr direkte und nicht angepasste Ich-Erzählerin mit in eine Abwärtsspirale vor der Kulisse von Berlin. Das Buch ist überhaupt gedrucktes Berlin Core, man muss es lieben. Die Gestaltung des Buchs ist dabei ebenso ungewöhnlich wie der Schreibstil der Autorin. Ich war nur aufgrund früherer Lektüre von Büchern wie „The vegetarian“ und „Cursed bunny“ nicht wirklich geschockt von den stattfindenden Ausschweifungen und den mentalen Bildern, die hier heraufbeschworen werden 😅. Ich kann es aber durchaus verstehen, wenn es für andere LeserInnen zu viel und zu unerträglich ist.
Ansonsten hat mich dieser Roman noch ein wenig an „Der achtzehnte Stock“ erinnert, das hatte ich damals auch geliebt.
Martina begegnen viele interessante Gestalten, sei es im Späti, in der Eckkneipe oder ihrem Wohnhaus. An einigen Stellen habe ich auch laut lachen müssen. Andere Stellen haben mich verzweifeln lassen und viel Wut ist mir hochgekocht, z.B. angesichts der Art und Weise wie Martinas Mutter sie behandelt hat.
Das Buch beinhaltet sehr wichtige Themen, die Autorin hat sich für einen radikalen und nicht ästhetischen Weg entschieden, das, was ihr am Herzen liegt, zu Papier zu bringen.
✨Fazit
Es wird nicht jedem gefallen, es ist ein sprachlich extremes und herausforderndes Buch. Eine Leseprobe würde aber Klarheit verschaffen. Mich hat das Buch schon angesprochen und hat mich auch sehr berührt. Gegen Ende hat sich die Erzählstimme etwas selbst verloren, so dass es hier schwieriger war, am Ball zu bleiben. Aber das widerspiegelt lediglich das Trauma, das Martina durchmacht.
Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild!
4/5⭐️⭐️⭐️⭐️