Ich hätte es so gerne gemocht...

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Es war nicht anders möglich von Svenja Liesau

Martina verliert ihren Vater und versucht auf verschiedene Arten, damit klar zu kommen. Wobei, eigentlich ist es doch nur eine einzige Art, denn sie betäubt einfach immer wieder und in unterschiedlichen Konstellationen ihren Schmerz mit Alkohol und Drogen. Dabei verschwimmen die Episoden bis man beim Lesen gar nicht genau weiß, um wie viele Situationen es sich eigentlich handelt, was wahr und was ausgedacht ist und in welchem Zustand die Protagonistin sich befindet. Vor allem im zweiten Teil habe ich es dann aufgegeben, Sinn zu suchen oder Verbindungen herzustellen und bin auch am Ende eher ratlos zurückgeblieben.

Was mir gefallen hat, war der Sprachstil, der sich liest wie eine viel zu lange Sprachnachricht einer angedüdelten Freundin nachts um drei: es dauert ein bisschen, bis sie auf den Punkt kommt, man muss ab und an kichern und bekommt ganz viel Alltagsphilosophie. Dadurch kommt man wirklich gut in den Lesefluss und zumindest am Anfang konnte ich so mit der Protagonistin gut mitfühlen. Je wirrer es wird und je abgefahrener die Episoden werden, desto mehr schwand jedoch meine Empathie und genau das ist der Grund, warum ich am Ende enttäuscht vom Buch war. Hier wäre so viel Potenzial gewesen, aber die Protagonistin ist nicht greifbar und auf eine Art unsympathisch, die irgendwann an egal grenzt. Ich hatte Probleme, mit ihr mitzufühlen, weil es stellenweise so wirkte, als würde sie sich in ihrer Situation suhlen. Vielleicht sagt das auch mehr über mich als über das Buch aus, gefallen hat es mir dennoch nicht.

Faszinierend fand ich, wie die Autorin hier eine komplett unzuverlässige Erzählerin geschaffen hat, bei der man trotzdem die ganze Zeit nach dem Sinn sucht. Das hat dann schon eine gewisse Sogwirkung entfaltet.

Ich tue mir sehr schwer, meine Leseerfahrung in eine Sternebewertung zu packen, weil die dem Ganzen einfach nicht gerecht wird. Sprachlich und von der Grundidee her hat es mir sehr gefallen, aber es war dann doch zu wirr für eine uneingeschränkt positive Leseerfahrung. Dazu kommt, dass Alkohol- und Drogenproblematiken hier wirklich einen sehr großen Teil einnehmen und das so aus dem Klappentext nicht ersichtlich ist. Hier heißt es nämlich, es gehe um eine „Frau, die sich in die Welt stürzt, das Leben kennenlernt, die Menschen – und dadurch sich selbst“ – und genau das tut sie meiner Meinung nach eben nicht! Denn alles geschieht nur im Rausch und so frage ich mich, wie sie denn zur „Wahrheit des Empfindens“ kommen soll, wenn sie sich vor jedem noch so kleinen Empfinden flüchtet.