Kein Roman für Zartbesaitete

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downey_jr Avatar

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„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hatte mich vorab durch die Leseprobe sehr neugierig gemacht; ich versprach mir davon einen tiefgründigen, Roman.

Erzählt wird aus der Ich-Perspektive die Geschichte von Martina, Mitte dreißig, arbeitslos. Ihren Vater kannte sie nicht gut, doch als er stirbt, trifft sie das unerwartet heftig.

„Es ist 22 Uhr 37, als ich anfange, über dich zu schreiben. Ich schreibe dir nicht etwa, weil ich dich nicht mehr anrufen kann. Ich habe dich auch, als du noch nicht tot warst, nicht angerufen.
Ich schreibe über dich, um dich loszuwerden. Dich aus meiner Biografie rauszuschreiben. Oder dich für immer an mich zu pressen. Mich endlich in dich reinzutippen. Reinzuhacken.
Mir ist erst mal beides recht, wenn ich nur diese Unruhe nicht mehr verspüren muss. Es ist ein Versuch. Trial and error. Wenn es nicht klappt, versuche ich etwas anderes. Irgendwas Installatives mit alten Videoaufnahmen von dir, verschnitten mit Sondenaufzeichnungen der menschlichen Darmschleimhaut, so die Richtung. Unterlegt mit rückwarts abgespielten Kinderliedern von Rolf Zuckowski. Mir fallt da schon was ein.“

Den Anfang des Buches fand ich noch recht gelungen, ich konnte Martinas Schmerz gut nachfühlen. Svenja Liesaus Schreibstil fand ich gerade auf den ersten Seiten sehr originell und interessant. Doch leider ging es dann recht schnell abwärts.
Protagonistin Martina stürzt sich in einen schier endlosen Rausch, versinkt in Alkohol und Drogen. Dazwischen gibt es Briefe an ihren Vater. Am Ende landet sie in der Psychiatrie.

Ich muss leider sagen, dass die Geschichte dann mit jeder Seite immer ekliger wurde und auch immer wirrer. Teilweise konnte ich überhaupt keinen roten Faden mehr finden in der bruchstückhaften Aneinanderreihung rauschhafter Momente.
Ich bin wirklich offen für vieles, aber das hier war inhaltlich wirklich hart an der Schmerzgrenze.

2 Sterne vergebe ich für den anfangs originellen Schreibstil; inhaltlich konnte mich das Buch jedoch leider überhaupt nicht begeistern.

Vielen Dank an den Rowohlt Berlind Verlag und an den Thalia Book Circle für das Rezensionsexemplar! 📚💚