Randgruppe

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bookworld91 Avatar

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Wenn Familien zerbrechen, bleibt für die übergebliebenen immer die Frage nach dem Warum. So auch in den Roman „Es war nicht anders möglich“.
Martina ist Mitte 30, als ihr entfremdeter Vater verstirbt. Sie hatte nie eine Bindung zu ihm- und doch sucht sie nun Halt in Berlins Eckkneipen. Dabei bewegen sie die Fragen, warum ihre Familie zerbrochen ist- und warum sie selbst arbeits- und haltlos durch die Kneipen zieht.

Die Thematik offenbart bereits, dass der Roman speziell ist. Leider gibt es Bücher mit haltlosen Protagonisten , die über das Nachtleben berichten, viel zu selten. Zudem ist das Buch- entsprechend dem Milieu- eher einfach geschrieben.

So beschreibt Martina das alltägliche betteln um Kleingeld als Routine. Der Stopp ihres Bürgergeldes wird als Schikane bezeichnet. Sie sieht sich gefangen in einer aussichtslosen Welt, wo sie nie eine Chance hatte.

Man muss zwischen den Zeilen lesen, um den Roman zu verstehen. Es wird auf den zweiten Blick die Botschaft deutlich, dass die Protagonistin und auch die anderen Charaktere kaum Chancen im Leben hatten. Martina wurde weder gefördert noch gefordert und ist regelmäßiges arbeiten nicht gewöhnt. Auch von ihrem Vater kennt sie das nicht. Schlimmer noch, Martina verbindet ihren Vater mit Eckkneipen und fühlt sich vom Staat vergessen.

Leider spiegelt sich Martinas Situation in der Sprache wieder. Eher einfach, monoton und ohne größere Spannung kommt dieses Buch daher wodurch auch ein Gefühl der Ablehnung entsteht. Es ist, als würde der Roman mehr vermitteln wollen, aber- ähnlich wie die Charaktere- nicht die Möglichkeit haben, sich zu äußern.

Die Charaktere im Buch passen zur Sprache. Man sieht nur die Oberfläche (einsame Seelen in Kneipen) nicht jedoch die Geschichte dazu. So hätte ich es spannend gefunden, mehr über Eckart, den Barkeeper oder die Bedienung im Café zu erfahren.

Insgesamt ist das Buch weit hinter seinen Möglichkeiten geblieben. Etwas mehr Tiefenarbeit (Eckart!), Abwechslung und Spannung (Die Kneipe wird geschlossen! Falscher Bescheid beim Bürgergeld! Unfall ohne Krankenversicherung!) hätte dem Buch gut getan . So gebe ich drei Sterne und erkenne durchaus die Brisanz des Themas an.