Ständig im Rausch?

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tochteralice Avatar

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Vorneweg: ja, Sucht, vor allem die nach Alkohol spielt eine extrem übergeordnete Rolle in diesem Roman. Martina sitzt Abend für Abend in der Kneipe bei Wein und Schnaps, sie verbringt viele der Abende dort allein, wie andere Menschen es in der eigenen Wohnung tun, für sie ist die Theke fast so etwas wie das heimische Wohnzimmer. Der Tod ihres Vaters, den sie kaum kannte, macht diese ihre Situation nur noch drastischer. Ist sie ständig im Rausch? Naja, jedenfalls ziemlich oft und die Erkenntnisse, die sie im Laufe der Handlung gewinnt (oder auch nicht) verbessern ihre Lage nicht unbedingt.

Ich finde Parallelen zum ebenfalls in diesem Jahr erschienen Debütroman "Gelbe Monster". Auch hier gibt es gewisse Abhängigkeiten, die zu Süchten ganz anderer Art führen, aber der grundsätzliche Tenor ähnelt einander aus meiner Sicht auf verblüffende Art und Weise: man kann von etwas Bestimmten, das einem auf Dauer nicht guttut, einfach nicht loskommen. Eigentlich eine wichtige Erkenntnis im aktuellen literarischen Flow, in die sich der vorliegende Roman nahtlos einreiht, aber ich kann ihn einfach nicht mögen, er zieht mich einfach zu sehr runter, Protagonistin Martina hat eine ausgesprochen toxische Wirkung auf mich.

So ähnlich, aber auch wieder verschiedenen - warum schreiben junge Frauen, junge Menschen überhaupt derzeit so viel über Abhängigkeiten? Das ist eine Frage, die ich mir selbst nicht beantworten kann, bisher jedenfalls nicht.