Authentische Charaktere mit Wien-Setting
Das Cover mit dem farblich akzentuierten Titel hat mich bei der ersten Betrachtung direkt neugierig gemacht. Auch der Klappentext konnte mich überzeugen, sodass das Buch zeitnah bei mir einziehen durfte. Bereits nach den ersten Kapiteln konnte mich Vea Kaiser mit ihrem humorvollen Schreibstil abholen. Zunächst hatte ich Bedenken, ob ich eventuell Probleme mit dem Wienerischen haben könnte, doch diese Sorgen waren völlig unbegründet. Bereits nach einigen Seiten war ich vollkommen in Wien “angekommen”. Falls es doch einmal zu Verständnisproblemen kam, half mir das kleine Wörterbuch im Anhang des Buches weiter. Dort findet sich übrigens auch ein Inhaltsverzeichnis 🙂 Vea Kaiser ist es mit “Fabula Rasa” gelungen, eine Leichtigkeit in die Geschichte zu zaubern, die mit der notwenigen Tiefe verknüpft wurde. Trotz der ernsten Themen, die in “Fabula Rasa” angesprochen werden, wird durch das authentische Wien-Setting und den humorvollen Schreibstil immer wieder die Leichtigkeit zurückgebracht. Dadurch hat sich das Buch beim Lesen auch nicht wie ein Wälzer mit knapp 600 Seiten angefühlt. Auch die Charaktere sind authentisch gestaltet. Vea Kaiser erzeugt innerhalb der Charaktere eine Dynamik, die die Handlung maßgeblich prägt. Im Zentrum der Geschichte steht Angelika Moser. Mit ihr erkunden wir das Wiener Nachtleben und machen Karriere in einem Wiener Hotel. Angelika Moser wird jedoch auch vor einige Herausforderungen gestellt. Sie will sich nehmen, was ihr zusteht - Doch was steht einem zu und was nicht? Wer sollte entscheiden, was einem zusteht? Wo sind die Grenzen und was bewegt sich noch innerhalb einer Grauzone? Wie weit ist Angelika bereit zu gehen? Diesen Gedanken und Gefühlen folgt der Roman. Immer wieder wird die Handlung jedoch von Auszügen einer Unterhaltung mit Angelika Moser aus der Josefstadt unterbrochen. Diese Interventionen durchbrechen die Roman-Struktur und geben Raum, die Geschehnisse zu verorten (zudem sind diese Kapitel eine gute Möglichkeit das Buch kurz zur Seite zu legen 😉. Das Tempo hat mir insgesamt gut gefallen und passt sowohl zur Story als auch zum Genre. Nur in der zweiten Hälfte gab es zum Teil ein paar Längen (das ist aber Geschmackssache). Hier wurden mir einige Szenen ein bisschen zu detailliert beschrieben. Die Dynamiken zwischen den Charakteren und auch die Story insgesamt konnten mich jedoch überzeugen. Insgesamt ein gelungenes Buch, welches ich gerne gelesen habe und auch empfehlen kann.