Starke erste Seiten
Das zieht mich rein. Und zwar nicht wegen des Setups (DDR, Volksaufstand, vermisste Freundin), das klingt erstmal wie "wichtiges deutsches Erbe"-Pflichtlektüre, sondern wegen Rena. Rena, die zu vier bedrohlichen Männern sagt, sie spielen Mau-Mau mit ihren fünf Brüdern. Rena, die will, dass "unverschämt, vorlaut und frech" auf ihrem Grabstein steht. Rena, deren Mut genau in dem Moment sichtbar wird, wo Tilla ihre zur Faust geballte Hand sieht, die Knöchel weiß. Das ist Figur aus dem Inneren raus, nicht aus der Beschreibung. Das kann Kranenburg.
Was mich beschäftigt: Ich sehe noch nicht, wie tief das geht. Bisher ist die DDR-Kulisse Kulisse, kein Druck, der auf die Figuren einwirkt. Tilla glaubt ehrlich daran, Angst müssen nur die haben, die gegen den Staat sind, "von mir darf jeder alles sehen und alles wissen." Der Satz hat Potential, wenn das Buch damit arbeitet und Tilla von dieser Naivität durch echten politischen Schmerz geführt wird, nicht nur durch das Rätsel um Rena. Wenn das Buch aber Tillas Glauben nur als süßen Irrtum behandelt, den wir von außen belächeln, dann wird daraus Geschichte als Bühne statt als Frage. Das wäre schade. Empfehlung: ja, lesen. Und zwar neugierig, ob Kranenburg traut, Tilla wirklich zu brechen.
Was mich beschäftigt: Ich sehe noch nicht, wie tief das geht. Bisher ist die DDR-Kulisse Kulisse, kein Druck, der auf die Figuren einwirkt. Tilla glaubt ehrlich daran, Angst müssen nur die haben, die gegen den Staat sind, "von mir darf jeder alles sehen und alles wissen." Der Satz hat Potential, wenn das Buch damit arbeitet und Tilla von dieser Naivität durch echten politischen Schmerz geführt wird, nicht nur durch das Rätsel um Rena. Wenn das Buch aber Tillas Glauben nur als süßen Irrtum behandelt, den wir von außen belächeln, dann wird daraus Geschichte als Bühne statt als Frage. Das wäre schade. Empfehlung: ja, lesen. Und zwar neugierig, ob Kranenburg traut, Tilla wirklich zu brechen.