Auf der Suche nach der Wahrheit

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schliesi Avatar

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Mit „Falls jemand fragt, wer wir waren“ hat Eva Kranenburg ein feinfühliges Zeitzeugnis geschaffen, das mich berührt hat. Der Roman nimmt die Leser mit in das Halle der Nachkriegsjahre, mitten hinein in die emotionale Zerrissenheit der jungen Tilla. Tilla wächst im Schatten der Konzentrationslager-Erfahrungen ihres Vaters auf und brennt anfangs als überzeugte Sozialistin für das neue System der DDR. Doch als ihre unerschrockene, wilde Freundin Rena spurlos verschwindet, gerät Tillas gesamtes Weltbild ins Wanken. Kranenburg erzählt diese Geschichte über Freundschaft, Verlust und politische Umbrüche erstaunlich ruhig und linear. Zwar schaukelt sich die Handlung auf einen historischen Höhepunkt um den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zu, verzichtet dabei aber auf extreme, künstliche Höhen und Tiefen. Genau diese unaufgeregte Erzählweise macht Tillas wachsende Ohnmacht, ihre Hilflosigkeit und die drückende Atmosphäre eines totalitären Systems so greifbar. Ihre Suche nach Rena im verlassenen Zugwaggon und den Ruinen der Stadt wird zu einer emotionalen Reise, auf der sie Lügen entschlüsseln und eigene Ideale hinterfragen muss.Auch wenn der Buchtitel für mich letztlich keine ganz befriedigende Antwort fand und der Spannungsbogen den finalen Höhepunkt nicht vollends ausreizt, gleicht der wunderbare Schreibstil dies wieder aus. Es ist eine liebevolle, geschichtlich fundierte Erzählung, die persönliche Schicksale klug mit realer Historie verknüpft und auch mich als Leser dazu inspiriert hat, mich neu mit der deutschen Vergangenheit zu befassen. Ein lesenswerter Roman über Wahrheit und Identität.