Berührend
Es ist für mich schwer vorstellbar, dass die Zeit der DDR noch gar nicht so lange her ist und das, was wir inzwischen in Geschichtsbüchern lesen, der Alltag unserer Eltern und Großeltern war. Ich finde es deshalb wichtig, dass auch Romane diese Zeit aufgreifen und mit ihren Protagonisten vor allem den Alltag in diesem System lebendig werden lassen. Im Mittelpunkt des Romans "Falls jemand fragt, wer wir waren" stehen Tilla und Rena, die gefühlt unterschiedlicher nicht sein können. Renas Verschwinden schubst Tilla aus ihrer bisher recht heilen Blase und lässt sie nicht nur die politischen Umstände, sondern auch vertraute Personen in ihrem Alltag hinterfragen. Mir scheint Tilla am Anfang der Geschichte etwas naiv, doch dann wird man als Leser sehr gut mitgenommen auf ihre Entwicklung und erhält nachvollziehbar Einblick in ihre Gedankenwelt, die schließlich auch in Handlungen rund um die Aufstände 1953 münden. Danke für dieses Buch! Es macht Mut, wieder etwas mehr nachzufragen, was "damals" alles passier ist.