Ein anderer Blick in die 50er Jahre

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Dieses Buch ist anders. Anders als erwartet und anders als andere, die ich bisher über die Nachkriegsjahre gelesen habe. Oft handeln sie von Wirtschaftswunder und Aufbau. Hier stehen die frühen Jahre der DDR zwischen 1953 und 1956 im Mittelpunkt. Tilla, die Hauptfigur und ihre Freundin Rena verbringen faule Sommertage, bis Rena plötzlich verschwindet. Tilla macht sich auf die Suche. Wer war Rena eigentlich? Freundin, Spionin, Täterin, Unschuldige, Lügnerin? Nach und nach beginnt Tilla den Nebel der Naivität, in dem sie sich bisher bewegte, abzulegen. Sie wird mutiger, selbstbewusster und beginnt ihre Umgebung und die Geschehnisse zu hinterfragen. Insbesondere die Beziehung zu ihrem Vater berührt mich dabei sehr. Der Kriegsheimkehrer, ehemaliger KZ-Insasse und vom Krieg gezeichnet, macht Karriere bei der Stasi. Das weiß Tilla nicht oder will sie nicht wissen. Für sie ist es das größte Glück, dass er zurückgekommen ist. Er ist liebevoll, aber in seiner Arbeit streng und verbissen. Das Vater-Tochter-Verhältnisse leidet, als Tilla immer mehr Fragen stellt. Auch die aufkeimende Jugendliebe zum Sohn des Polizeichefs Roman ist eindringlich erzählt. Tilla mag ihn fühlt sich aber zu jemand anderem hingezogen. In den Monaten, in denen Tilla erwachsen wird, bricht sich die Unzufriedenheit der Menschen in Halle Bann. Der Auftand 1953 war nur entfernt bekannt, es war sehr interessant, wie eindringlich die Autorin die Vorgänge schildert. Trotz des Themas und des Blicks auf die Nachkriegszeit vermag das Buch mich nicht wirklich zu fesseln. Die Hauptfiguren sind sympathisch, aber irgendwie springt der Funke nicht über. Schade.