Ein intensiver Blick in die Zerrissenheit einer jungen Frau in der DDR

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sternzauber Avatar

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Ich mag das Cover von „Falls jemand fragt, wer wir waren“ von Eva Kranenburg wirklich gerne, denn die beiden Farben des Titels und der Linie symbolisieren die Zerrissenheit der Hauptperson für mich sehr anschaulich und auch das Bild der jungen Frau passt sehr gut zum Inhalt.

Die Geschichte erzählt von der jungen Tilla, deren Freundin Rena eines Tages plötzlich verschwindet. Sofort macht sie sich auf die Suche nach ihr, muss jedoch schnell feststellen, dass nichts von dem, was sie über ihre Freundin zu wissen glaubte, stimmt. Dies verunsichert Tilla stark und zunehmend kommen auch all die anderen Fragen und Unstimmigkeiten in ihrem Leben, sowie in der sie umgebenden DDR zu Tage. Der Volksaufstand des 17. Juni führt letztlich zum großen Knall und Tilla muss sich entscheiden, wie sie fühlen, leben und denken will, woran sie glaubt und wie weit sie bereit ist zu gehen, um sich der Wahrheit zu nähern…

Mich hat dieses Buch sehr überrascht und in seiner Intensität richtig begeistert, Ich muss gestehen, dass ich mich mit der Historie der DDR nicht besonders gut auskenne, mich hat diese Geschichte jedoch sehr gereizt, da ich die Handlung an Hand des Klappentextes interessant fand – und ich bin absolut nicht enttäuscht worden! Eva Kranenburg erzählt eine sehr intensive, dichte und fesselnde Geschichte einer jungen Frau, die voller Überzeugung den sozialistischen Gedanken lebt und für ihre Regierung einsteht, bis immer mehr Ungereimtheiten und offensichtliche Fehler zu Unsicherheit und Glaubensverlust führen. Für mein Empfinden ist es der Autorin besonders gut gelungen, diesen inneren Zwiespalt, das Hin und Her, das Hoffen und Zweifeln und die zermürbende Unsicherheit in Worte zu fassen, so dass ich intensiv mitfühlen und mit durch die Geschichte gehen konnte. Das hat mich sehr begeistert!

Doch dies ist nicht das einzige Thema, das einen Platz in diesem Roman gefunden hat. Freundschaft und verschiedene Formen der Liebe spielen ebenso eine wesentliche Rolle, wie die alltäglichen Erlebnisse im Schul- und Arbeitsleben damals, sowie die Auswirkungen der Naziherrschaft auf die Männer dieser Generation, psychische und physische Gewalt, aber auch Zukunftshoffnungen, Zusammenhalt und viele andere. Die Geschichte bildet ein sehr lebendiges Bild eines Lebens damals ab und auch, wenn ich das inhaltlich leider nicht wirklich beurteilen kann, so wirkt das Geschehen auf mich sehr authentisch und echt. Sehr gut gefallen hat mir in dieser Hinsicht auch, dass Eva Kranenburg am Ende den historischen Kontext deutlich macht und ich als Leserin somit genau erfahren durfte, welche Inhalte der Geschichte fiktiv und welche historisch belegt sind. Das rundet die Lektüre für mich perfekt ab.

Der Text an sich ist zudem sehr angenehm und flüssig lesbar und es gefällt mir gut, dass den verschiedenen Teilen passende Zitate voran gestellt werden. Auch der Aufbau der Geschichte ist meiner Meinung nach hervorragend gelungen, denn es bleibt immer spannend und interessant, es gibt mehrere unerwartete Wendungen und es hat mir große Freude bereitet Tilla in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen.

Mich hat dieses Buch im besten Sinne überrumpelt und beeindruckt, zum Nachdenken gebracht und intensiv in mir nachgewirkt. Ich fand es fesselnd, sehr interessant und ich durfte mitfühlen, weshalb ich es sehr gerne all jenen LeserInnen empfehlen möchte, die sich auf eine Geschichte im historischen Umfeld und Kontext einlassen und die intensiv eintauchen möchten – viel Freude beim Lesen!