Ein recht authentischer Blick in die junge DDR

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
leseratte61 Avatar

Von

Die junge Protagonistin ist überzeugte Sozialistin und steht voll hinter dem Staatsapparat der noch jungen DDR. Doch als ihre beste Freundin Rena verschwindet, befindet sich Tilla plötzlich in einem Netz aus Lügen und Intrigen. Doch Tilla lässt sich trotzdem nicht von ihrer Suche abbringen und teilt ihre Gedanken und Gefühle mit den Lesern.

Tilla beginnt nicht nur an den Geschichten ihrer Freundin zu zweifeln, sondern sie hinterfragt auch die Menschen, die sie umgeben. Auch die Zweifel am System werden immer deutlicher herausgearbeitet. Die Protagonistin entwickelt sich bemerkenswert weiter, auch wenn die Handlung manchmal schleppend erscheint. Ich konnte das Buch jedoch kaum aus der Hand legen, da ich gespannt war, ob Tilla ihre Freundin wiederfindet und das staatliche System durchschaut.

Die Autorin hat hier sehr genau recherchiert und einige Begebenheiten der jungen DDR in den Roman einfließen lassen. Der Roman hat mich sehr bewegt und mir ein wichtiges Stück Zeitgeschichte erneut vor Augen geführt. Viele Menschen kennen diesen Teil unserer Geschichte nicht mehr oder nur in Bruchstücken und da kann ein Buch, wie dieses, eine Lücke schließen und dazu animieren, noch mehr aus dieser Zeit erfahren zu wollen.

Die Geschichte wurde aus Tillas Sicht geschrieben und so konnte ich mich sehr gut in Tilla hineinversetzen.Tilla wurde zum braven Mädchen erzogen, dass nicht hinterfragt und die Autorität nicht anzweifelt. Ihre Entwicklung wurde emotional und tiefgründig beschrieben, so dass es stimmig auf mich wirkte.

Das Leben in der DDR in den 50er Jahren wurde sehr anschaulich beschrieben und ich konnte die Bedrohung durch den Staat und seine Schergen regelrecht fühlen.

Der Volksaufstand im Juni 1953 stellt Tillas Leben dann endgültig auf den Kopf. doch das müsst ihr leider selbst lesen.
Mir hat der Roman mit kleineren Einschränkungen gefallen und Ich empfehle ihn gern weiter.