Eine Zeit, die Betroffene niemals vergessen werden!

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Der Roman "Falls jemand fragt, wer wir waren" der Autorin Eva Kranenburg spielt im Sommer 1953 in Halle und erzählt die Geschichte des 16-jährigen Mädchens Tilla und ihrer Freundin Rena, die in der noch jungen DDR aufwachsen. Während Rena selbstbewusst durchs Leben geht und kein Blatt vor den Mund nimmt, beginnt Tilla, an den Überzeugungen zu zweifeln, mit denen sie bisher gelebt hat. Als Rena eines Tages spurlos verschwindet, macht sich Tilla auf die Suche nach ihr und stößt dabei auf Geheimnisse, die ihr bisheriges Weltbild über die DDR sehr stark verändern.

Besonders interessant fand ich, wie die Autorin die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit mit den persönlichen Schicksalen ihrer Figuren verbindet. Tilla muss erkennen, dass vieles von dem, was ihr über den Sozialismus vermittelt wurde, nicht der Wahrheit entspricht. Auch in ihrem eigenen Umfeld wird geschwiegen, gelogen und vieles verheimlicht. Nach und nach beginnt sie, die Dinge zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

Mich hat das Buch von Anfang an in seinen Bann gezogen. Die Geschichte vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in das Leben in der DDR der 1950er-Jahre und zeigt, wie schwierig es war, zwischen den offiziellen Überzeugungen und der tatsächlichen Wirklichkeit zu unterscheiden. Besonders Tillas Entwicklung und ihr innerer Konflikt haben mich berührt. Man kann gut nachvollziehen, wie schwer es ihr fällt, vertraute Ansichten loszulassen und neue Erkenntnisse zu akzeptieren.

Für mich ist es ein bewegender und zugleich nachdenklich stimmender Roman, der ein wichtiges Stück deutscher Geschichte auf persönliche Weise lebendig macht. Da ich auch in der DDR geboren bin, konnte ich viele Dinge nachvollziehen und bejahen. Ich habe ähnliche Dinge erlebt die ein ganzes Buch füllen würden. Man benötigt ein ganzes Leben, um Erlebtes und Erfahrenes zu verarbeiten. Viele Menschen können bis heute nicht darüber sprechen. Ich habe die Geschichte sehr gern gelesen und kann das Buch allen empfehlen, die sich für die DDR und die Schicksale der Menschen interessieren, die in dieser Zeit gelebt haben. Ich bin sehr froh, dass es diese Art von Bücher gibt, denn es sollte nichts vertrübt oder verschönigt werden!