Fesselnd, bewegend, beängstigend – Unbedingt lesen!

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christina19 Avatar

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Inhalt:
Als ihre Freundin Rena von einem Tag auf den anderen verschwindet, macht sich Tilla im Jahr 1953 auf die Suche nach ihr. Doch schon bald muss sie feststellen, dass all das, was sie über Rena zu wissen glaubte, nicht der Wahrheit entspricht. Wer ist ihre Freundin wirklich? Und warum hat sie Tilla so vieles verschwiegen? Je tiefer Tilla in Renas Verschwinden eintaucht, desto mehr gerät auch ihr eigenes Weltbild ins Wanken. Denn während sie nach Antworten sucht, werden die Schattenseiten der noch jungen DDR immer deutlicher. Als sich die wachsende Unzufriedenheit schließlich im Volksaufstand des 17. Juni entlädt, muss Tilla eine Entscheidung treffen: Wie weit ist sie bereit zu gehen – für die Wahrheit, für ihre Freundin und für das, woran sie selbst glaubt?

Meine Meinung:
Schon lange habe ich keinen Roman mehr in so kurzer Zeit gelesen wie diesen. Eva Kranenburg erzählt eindringlich und fesselnd vom Leben in der noch jungen DDR, das von Unterdrückung, Schikanen und allgegenwärtiger Angst geprägt war. Da ist Tilla, die anfangs scheinbar unerschütterlich vom Sozialismus überzeugt ist, sich regelkonform verhält und entsprechend nicht auffällt. Und da ist ihre Freundin Rena, die das genaue Gegenteil verkörpert: selbstbewusst, unangepasst und rebellisch. Neben den beiden begegnet man im Roman einer Reihe weiterer Figuren, die von der Autorin facettenreich gezeichnet sind und dadurch eine bemerkenswerte Tiefe gewinnen. Im Laufe der Geschichte lernt man beispielsweise Tillas Vater und ihren Freund näher kennen. Besonders bei diesen beiden versteht es die Autorin meines Erachtens, die Figuren ambivalent zu zeichnen und ihre wahre Haltung zunächst im Unklaren zu lassen. So schwankt man als Leser immer wieder zwischen Vertrauen und Misstrauen, bis sich erst gegen Ende des Romans ein klareres Bild ergibt. Tilla selbst durchlebt eine rasche Entwicklung: von anfänglichen, leisen Zweifeln bis hin zum offenen Hinterfragen der Staatsführung. Dabei werden immer wieder die Ungerechtigkeiten deutlich, denen Menschen in den 1950er Jahren ausgesetzt waren: Eine von der Parteilinie abweichende Meinung zu vertreten und diese offen zu äußern, konnte die Umsiedlung aus dem Grenzgebiet oder einen Gefängnisaufenthalt zur Folge haben. Die Mitgliedschaft in der Kirche konnte zum Ausschluss von weiterführenden Schulen und damit zur Verwehrung besserer Bildungswege führen. Und bei einem Protest wie dem am 17. Juni 1953 ließen bekanntermaßen sogar Menschen ihr Leben. Besonders erschreckend ist, dass die beschriebenen Beispiele, wie die Autorin im Nachwort erläutert, auf realen Personen und tatsächlichen Ereignissen beruhen.
„Falls jemand fragt, wer wir waren“ erzählt ein eindringliches Kapitel deutsch-deutscher Geschichte, das in manchen Aspekten an gegenwärtige Entwicklungen erinnert – eine Geschichte, die sich in dieser Form nicht wiederholen darf. Gerade deshalb sollte dieser Roman unbedingt gelesen werden!