Für ein freies Leben
FALLS JEMAND FRAGT, WER WIR WAREN erzählt über 285 Seiten und in vier Teilen über den Volksaufstand am 17. Juni 1953 an einem der Hauptorte der noch jungen DDR. Es war eine riesige Massendemonstration der Bevölkerung von Halle/Saale an diesem denkwürdigen Tag. Das Buch beginnt mit einem Zitat von Lenin „Schlimmer als blind zu sein ist, nicht sehen zu wollen.“ Das beschreibt für mich eigentlich schon ziemlich genau eins der Themen.
Anfänglich liest es sich so, als würde es sich nur um eine Freundschaft zwischen jungen Mädchen handeln, die zudem erste homoerotische Erfahrungen machen. Rena und Tilla sind sehr verschieden. Rena ist selbssicher, furchtlos und stark trotz ihrer Jugend. Die 16jährige Mathilde (Tilla, Thildi) verkörpert eine glühende Anhängerin des Sozialismus und Stalinverehrerin. Doch mit dem unerwarteten Verschwinden von Rena und dem Nachdenken über sie und dem vergeblichen Suchen nach ihr, beginnt sie zu zweifeln an der Richtigkeit der Maßnahmen und fängt an die Dinge zu hinterfragen. Sie bemerkt Ungereimtheiten und stereotypes Nachplappern von Parolen in ihrer Umgebung. Tilla wird stutzig über Aussagen der Regierung und über die Rolle der Staatssicherheit. Auch ihrem Vater gegenüber, dem sie nie Fragen stellte, wird sie zunehmend misstrauischer. Er war im KZ, überlebte die grausamsten Bestrafungen. Es ist bedrückend nachzulesen, wie er diese Zeit für sich für die Arbeit bei der Staatssicherheit interpretiert. Auch durch Tillas Freund Roman erfährt man von den Abgründen des Sozialismus, was er als Kind in Moskau erlebte und sich in seinem Elternhaus durch die Übergriffe seines Vaters gegen ihn fortsetzt. Das alles, um den neuen Menschen zu formen und zu stählen für die Zukunft!
Die Handlung umfasst wenige Monate, von März bis Juni 1953. Die Autorin hat die kurze Zeit mit den agierenden Personen sehr lebendig und emotional erfasst, ebenso die Stimmung im Volk, die zunächst düster ist und dann in widerständige Euphorie umschlägt. Es werden komplexe Zusammenhänge für die große Politik sowie Entwicklungen und Auswirkungen im privaten Bereich behandelt (sowohl bei Roman – Familie in Moskau gewesen - als auch bei Tilla – Vater im KZ Mittelbau Dora) in einem sehr engen zeitlichen Rahmen. Da muss man zwischen den Zeilen lesen bzw. sich auskennen mit der frühen Geschichte der DDR.
Fazit:
Es handelt sich hier um authentische Einblicke in diese Zeit, die bis ins Alltägliche reichen! Die Ereignisse wurden nachvollziehbar und durch Zeitzeugen belegt. Im Anhang des Buches findet sich ein historischer Kontext, der helfen kann, die Geschehnisse einzuordnen.
Vor dem Hintergrund des Volksaufstandes am 17. Juni 53 in Halle erzählt Eva Kranenburg in ihrem Roman von einem jungen Mädchen, die durch ihre Freundin zum tiefgründigen Nachdenken über persönliche und gesellschaftliche Ereignisse angeregt wird und ihre Schlüsse zieht.
Ich habe das Buch gern gelesen und bewerte mit fünf von fünf Sternen.
Anfänglich liest es sich so, als würde es sich nur um eine Freundschaft zwischen jungen Mädchen handeln, die zudem erste homoerotische Erfahrungen machen. Rena und Tilla sind sehr verschieden. Rena ist selbssicher, furchtlos und stark trotz ihrer Jugend. Die 16jährige Mathilde (Tilla, Thildi) verkörpert eine glühende Anhängerin des Sozialismus und Stalinverehrerin. Doch mit dem unerwarteten Verschwinden von Rena und dem Nachdenken über sie und dem vergeblichen Suchen nach ihr, beginnt sie zu zweifeln an der Richtigkeit der Maßnahmen und fängt an die Dinge zu hinterfragen. Sie bemerkt Ungereimtheiten und stereotypes Nachplappern von Parolen in ihrer Umgebung. Tilla wird stutzig über Aussagen der Regierung und über die Rolle der Staatssicherheit. Auch ihrem Vater gegenüber, dem sie nie Fragen stellte, wird sie zunehmend misstrauischer. Er war im KZ, überlebte die grausamsten Bestrafungen. Es ist bedrückend nachzulesen, wie er diese Zeit für sich für die Arbeit bei der Staatssicherheit interpretiert. Auch durch Tillas Freund Roman erfährt man von den Abgründen des Sozialismus, was er als Kind in Moskau erlebte und sich in seinem Elternhaus durch die Übergriffe seines Vaters gegen ihn fortsetzt. Das alles, um den neuen Menschen zu formen und zu stählen für die Zukunft!
Die Handlung umfasst wenige Monate, von März bis Juni 1953. Die Autorin hat die kurze Zeit mit den agierenden Personen sehr lebendig und emotional erfasst, ebenso die Stimmung im Volk, die zunächst düster ist und dann in widerständige Euphorie umschlägt. Es werden komplexe Zusammenhänge für die große Politik sowie Entwicklungen und Auswirkungen im privaten Bereich behandelt (sowohl bei Roman – Familie in Moskau gewesen - als auch bei Tilla – Vater im KZ Mittelbau Dora) in einem sehr engen zeitlichen Rahmen. Da muss man zwischen den Zeilen lesen bzw. sich auskennen mit der frühen Geschichte der DDR.
Fazit:
Es handelt sich hier um authentische Einblicke in diese Zeit, die bis ins Alltägliche reichen! Die Ereignisse wurden nachvollziehbar und durch Zeitzeugen belegt. Im Anhang des Buches findet sich ein historischer Kontext, der helfen kann, die Geschehnisse einzuordnen.
Vor dem Hintergrund des Volksaufstandes am 17. Juni 53 in Halle erzählt Eva Kranenburg in ihrem Roman von einem jungen Mädchen, die durch ihre Freundin zum tiefgründigen Nachdenken über persönliche und gesellschaftliche Ereignisse angeregt wird und ihre Schlüsse zieht.
Ich habe das Buch gern gelesen und bewerte mit fünf von fünf Sternen.