Geheimnisse, Lügen und die dunkle Fratze des Sozialismus

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timothy1971 Avatar

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Mit „Falls jemand fragt, wer wir waren“ ist Eva Kranenburg ein Meisterwerk gelungen, das sehr anschaulich schildert, wie Stasi-Spitzeleien und ideologische Verblendung bereits in den Anfangsjahren der DDR nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Familien zerrissen haben und wie aufkommende Demokratiebestrebungen und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft rund um den 17. Juni 1953 durch staatliche Gewalt brutal unterbunden wurden.
Die Protagonisten sind zwar fiktiv, aber teilweise an reale Figuren aus dieser Zeit angelehnt, die Handlung orientiert sich an den tatsächlichen historischen Ereignissen in Halle, einem der Zentren des Arbeiter- und Bauernaufstandes im Sommer 1953. Im Mittelpunkt steht die junge Tilli, die einerseits sehr an ihrem Vater hängt, andererseits wenig über ihn und seine Arbeit weiß und seine düstersten Geheimnisse aus Vergangenheit und Gegenwart nicht kennt. Fasziniert von Stalin und indoktriniert von dessen Lehre ist sie anfangs eine linientreue Anhängerin des neuen Staates und seiner Lehre. Inspiriert von der wenig ältere Rena, die sich als Freigeist gibt und kein Blatt vor den Mund nimmt, mehren sich jedoch Tillis Zweifel, ob der Weg der DDR der richtige ist. Als Rena dann spurlos verschwindet macht sie sich auf die Suche nach ihr, stellt Fragen, erntet Schweigen oder wird belogen und stößt auf dunkle Geheimnisse auch in der eigenen Familie.
Das Buch ist sehr ansprechend geschrieben ohne erhobenen Zeigefinger und entsprechend gut zu lesen. Es bleibt bis zum Ende spannend und es fällt sehr leicht sich in Tilli und ihre Gefühlslage hinein zu versetzen. Dennoch ist die Handlung bedrückend und regt zum Nachdenken an. Ein historischer Roman aus der jüngeren deutschen Geschichte mit Tiefgang, den ich absolut empfehlen kann.