Interessantes Thema, durchwachsene Umsetzung

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rflieder Avatar

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Eva Kranenburg beschreibt aus der Perspektive der 16jährigen Mathilde das Leben in der DDR in den Monaten vor dem 13. Juni 1953. Die alten männlichen kommunistischen Politiker, die die Nazizeit in Moskau verbracht haben und dort nicht in Stalins Ungnade gefallen sind oder die das KZ überlebt haben, bestimmen die politische Richtung und agitieren mithilfe der gleichgeschalteten Medien gegen den Westen. Es ist für Mathilde nicht leicht, sich zwischen Erwachsenen und Jugendlichen verschiedener politischer Ansichten zurecht zu finden, und es zerbrechen Freundschaften. Man traut sich nicht die eigene Meinung zu sagen, selbst den vermeintlichen Freunden gegenüber nicht. Sie lernt die unangepasste wilde Rena kennen. Als Rena verschwindet und weitere Ereignisse auftreten, beginnt Mathilde, die Anordnungen und Methoden der Regierung, der Kommunalpolitiker und ihres Vaters zu hinterfragen.
So weit, so interessant. Auch wenn sich das Buch leicht und schnell liest, ist der Schreibstil für mich phasenweise etwas gewöhnungsbedürftig. Im mittleren Teil erkennt Mathilde reihenweise Lügen und falsche Handlungen der Mächtigen, die sie sofort mit erstaunlich guten Fragen in Zweifel zieht. Es passt nicht so richtig, wie aus der naiven Jugendlichen in kurzer Zeit die Systemkritikerin wird. Nicht besonders anfreunden kann ich mich mit ihren Schwärmereien, der Gefühlswelt der Protagonistin, die aber wohl von Kranenburg altersgemäß beschrieben wird. Dagegen gefällt mir, wie die Autorin die euphorische Stimmung großer Teile der Bevölkerung vor und während der Proteste gegen die Norm- und Preiserhöhungen, letztlich gegen die Lebensbedingungen darstellt. Nach der Niederschlagung der Unruhen mithilfe der russischen Armee hätte ich gern mehr über die Zeit danach erfahren.
Fazit: Ein lesenswertes Buch, das zu Recherchen über die damaligen Ereignisse anregt, aber auch Schwächen aufweist.