Nachkriegs-DDR

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fredhel Avatar

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Das schnörkellose, trotzdem interessante Cover macht neugierig. Die Geschichte führt uns in die Nachkriegs-DDR: Tilla lebt in recht beengten Verhältnissen zusammen mit ihrem Vater. Dieser hat schwer unter den Nazis gelitten und kehrte als Versehrter aus dem KZ zurück, weshalb er mit anerkannt politisch sauberer Weste schnell einen hohen Posten erhält. Tilla selbst ist wie er anfangs ideologisch vollkommen auf Parteilinie. Doch durch den Kreis ihrer Mitschüler verläuft eine unsichtbare Trennlinie zwischen den Überzeugten und den Kritikern des Systems, was Tilla leider auch die Freundschaft zu ihrer besten Freundin kostet. Dann lernt sie die unkonventionelle Rena kennen, die ihr fortan bedingungslos beisteht, sie gleichzeitig aber auch zum kritischen Denken anregt. Der Volksaufstand des 17. Juni wird schließlich für alle zum großen Wendepunkt.

Als Leser begleitet man Tilla intensiv beim Erwachsenwerden – auf ihrem Weg vom blinden Gehorsam hin zum eigenständigen Urteilen. Es ist faszinierend und bewegend zu sehen, wie sie beginnt, alles zu hinterfragen und auch die Position zu ihrem eigenen Vater völlig neu bewertet. Neben den großen politischen Fragen geht es in der Geschichte aber auch um eine ganz zarte Frauenfreundschaft und das erste vorsichtige Erkunden der eigenen Sexualität.

Das Buch baut unheimlich schnell eine große Nähe zur Protagonistin auf und gibt gleichzeitig tiefe, authentische Einblicke in die politische Kultur der damaligen DDR. Eine wirklich schöne, tiefgründige Geschichte, die man so schnell nicht wieder vergisst. Ganz klare fünf Sterne!