Wem kann ich trauen?

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someandleni Avatar

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In „Falls jemand fragt, wer wir waren“ von Eva Kranenburg lesen wir von Mathilde, „Tilla“, die als kleines Mädchen während des zweiten Weltkriegs in einem Kinderheim war. Geprägt von den damals geltenden Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf die Geheimhaltung aller Beobachtungen rund um das dritte Reich ist Tilla ein überaus vorsichtiges und gehorsames Mädchen. Sie traut lieber niemandem.

In einer für Tilla überaus unangenehmen Situation tritt Rena in ihr Leben. Schon in ihren Augen erkennt sie nichts als Solidarität. Die zwei Mädchen freunden sich an und verbringen einen intensiven Sommer miteinander, in dem sie alle Gedanken teilen. Nur stellt Tilla Rena kaum Fragen und Rena erzählt Tilla auch nicht sonderlich viel aus ihrem Leben. Als Rena von einem Tag auf den anderen verschwindet, stellt Tilla auf der Suche nach ihr fest, dass alles, was sie ihr erzählt hat, gelogen war. Die Frau, die im Supermarkt arbeitet und Rena’s Mutter sein soll, hat gar keine Tochter. An der Adresse, an der Rena wohnen soll, steht nur ein zerbombtes Haus. Rena ist wie vom Erdboden verschluckt. Als Tilla dann eine Leiche im Wasser der Saalewiesen findet, beginnt eine intensive Suche, deren Ausmaß niemand absehen kann.

Die politische Realität der jungen DDR stiehlt sich in jede Szene: Misstrauen, Armut, Gewalt, staatliche Kontrolle. Dazu von Bomben zertrümmerte Häuser, Lebensmittelmarken und lange Warteschlangen vor den Supermärkten. Tilla begibt sich auf eine Reise in einer Atmosphäre des ständigen Misstrauens. Nicht nur Rena hatte Geheimnisse vor ihr. Eva Kranenburg schafft es mit diesem Roman, den Lesenden das Ausmaß der Bedrohlichkeit durch den Staat psychisch wie physisch fühlen zu lassen.