Widerstand

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
hoelzchen Avatar

Von

Halle, DDR, Mitte der 50er Jahre. Die 15jährige Tilla ist überzeugt vom Leben in der DDR und auch ihr Vater, mit dem sie nach dem Tod der Mutter alleine lebt, sieht im Kommunismus seine Bestimmung. Während des zweiten Weltkriegs musste er einige Zeit im KZ verbringen, diese Zeit hat ihn natürlich geprägt. Durch Zufall trifft Tilla auf Rena, die nur wenig älter zu sein scheint, aber schon viele Erfahrungen mit dem Leben gemacht hat. Die beiden freunden sich an und treffen sich regelmäßig. Meistens in einem alten Wohnwagen am See. Eines Tages ist Rena verschwunden. Wurde sie in Haft genommen? Tilla begibt sich auf die Suche, doch es scheint, als das Rena nicht die Wahrheit über ihre persönlichen Angaben gesagt hat. Alle Anhaltspunkte laufen ins Leere. Tilla lässt nicht locker und sie trifft Menschen, die weit ab von ihrer Meinung zum Staat sind. Diese Begegnungen führen dazu, dass sie das System kritischer beäugt und hinterfragt und plötzlich ist der da, der Tag des Widerstandes: der 17. Juni.
Eva Kranenburg gibt in ihrem Debütroman wertvolle Einblicke in die Zeit der Arbeiteraufstände in der DDR. Historische Ereignisse, die bei uns im Westen noch lange nachhallten und uns diesen Tag (17. Juni), als Tag der Deutschen Einheit, viele Jahrzehnte als Feiertag begehen ließen. Dieser Roman zeigt uns, wie mutig die DDR-Bürger und Bürgerinnen waren. Sie waren nicht mit allem einverstanden, was der Staat ihnen auferlegte. Es brodelte in der Gesellschaft. Diesen Zeitgeist bildet die Autorin gut ab. Anhand der Protagonistin Tilla zeigt sie uns die Veränderungen, lässt uns teilhaben, an die anfängliche Treue zum Land und dann die aufkommenden Zweifel. Dennoch blieb mir Tilla fremd, eine Nähe stellte sich nicht ein. Es mag an dem Schreibstil liegen, der diese Distanz hervorruft, oft sind es nur aneinandergereihte Ereignisse, die beschrieben werden. Gerade in der ersten Romanhälfte ist es deutlich, danach nimmt die Geschichte an Fahrt auf und das Gelesene erscheint mir geschmeidiger. Alles in allem aber ein wichtiger Roman zur deutschen Geschichte und deshalb 4 Sterne.