Packend erzählte Zeitgeschichte
In ihrem aktuellen Roman "Falls jemand fragt, wer wir waren" verknüpft die Autorin Eva Kranenburg, die in Dresden lebt und als Psychotherapeutin und Drehbuchautorin tätig ist, die Suche eines jungen Mädchens nach seiner Freundin mit den Geschehnissen des Volksaufstands am 17. Juni 1953 in Halle.
Die 16-jährige Schülerin Mathilde Kersten, genannt Tilla, lebt mit ihrem Vater, einem KZ-Überlebenden, in einer kleinen Wohnung in Halle. Als Tilla die 17-jährige Rena kennenlernt, findet sie in ihr eine Freundin, mit der sie viel Zeit verbringt. Als Rena plötzlich verschwindet, begibt Tilla sich auf die Suche. Zu Ihrer Überraschung muss sie feststellen, dass die Frau, die Rena als ihre Mutter ausgegeben hat, überhaupt keine Kinder hat, und dass das Haus, in dem sie angeblich mit ihrem Vater wohnt, nur eine Fassade ist. Anfangs fühlt sie sich von ihrer Freundin verraten, vermutet dann aber doch einen triftigen Grund für Renas Verhalten. Sie will das Rätsel um Rena lösen und beginnt, nachdem ihre Vermisstenanzeige bei der Polizei keinen Erfolg zeigt, mit eigenen Nachforschungen.
Die aus vier Teilen bestehende Geschichte ist auf zwei Handlungsebenen in der Ich-Form erzählt: die wenigen Wochen mit Rena und die Zeit nach ihrem Verschwinden. Den Höhepunkt des Romans stellen die Geschehnisse während des Volksaufstands am 17. Juni 1953 in Halle dar. Am Ende des Buchs beschreibt die Autorin den historischen Kontext.
Ich habe das packende Buch bis zum für mich stimmigen Ende sehr gern gelesen. Die Autorin skizziert die Protagonisten, ganz besonders die etwas naive Tilla, authentisch und bildhaft. Sie ist eine gute Schülerin, die gern Journalistin werden möchte, glaubt an den Sozialismus und sieht in ihm den einzigen Weg für dauerhaften Weltfrieden. Je länger sie nach Rena sucht, desto mehr Zweifel regen sich in ihr. Sie beginnt vieles zu hinterfragen, wird dabei immer mutiger, und auch ihr Vater muss sich ihren unbequemen Fragen stellen. Sehr gut dargestellt fand ich auch die kämpferische Rena, die furchtlos und zielstrebig ihren Weg geht.
Ich finde es sehr gelungen, wie die Autorin die Geschichte der beiden Mädchen in die politische Situation rund um den 17. Juni 1953 eingebettet hat. Der damalige Zeitgeist ist hervorragend eingefangen, außerdem gibt das Buch einen intensiven Einblick in das Leben und den Alltag in der jungen DDR. Allerdings empfand ich Tillas Entwicklung von der überzeugten Sozialistin zur Widerstandskämpferin als etwas zu schnell und daher nicht ganz realistisch.
Trotz meines Kritikpunktes Leseempfehlung für diesen beeindruckenden und hervorragend recherchierten Roman über ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte!
Die 16-jährige Schülerin Mathilde Kersten, genannt Tilla, lebt mit ihrem Vater, einem KZ-Überlebenden, in einer kleinen Wohnung in Halle. Als Tilla die 17-jährige Rena kennenlernt, findet sie in ihr eine Freundin, mit der sie viel Zeit verbringt. Als Rena plötzlich verschwindet, begibt Tilla sich auf die Suche. Zu Ihrer Überraschung muss sie feststellen, dass die Frau, die Rena als ihre Mutter ausgegeben hat, überhaupt keine Kinder hat, und dass das Haus, in dem sie angeblich mit ihrem Vater wohnt, nur eine Fassade ist. Anfangs fühlt sie sich von ihrer Freundin verraten, vermutet dann aber doch einen triftigen Grund für Renas Verhalten. Sie will das Rätsel um Rena lösen und beginnt, nachdem ihre Vermisstenanzeige bei der Polizei keinen Erfolg zeigt, mit eigenen Nachforschungen.
Die aus vier Teilen bestehende Geschichte ist auf zwei Handlungsebenen in der Ich-Form erzählt: die wenigen Wochen mit Rena und die Zeit nach ihrem Verschwinden. Den Höhepunkt des Romans stellen die Geschehnisse während des Volksaufstands am 17. Juni 1953 in Halle dar. Am Ende des Buchs beschreibt die Autorin den historischen Kontext.
Ich habe das packende Buch bis zum für mich stimmigen Ende sehr gern gelesen. Die Autorin skizziert die Protagonisten, ganz besonders die etwas naive Tilla, authentisch und bildhaft. Sie ist eine gute Schülerin, die gern Journalistin werden möchte, glaubt an den Sozialismus und sieht in ihm den einzigen Weg für dauerhaften Weltfrieden. Je länger sie nach Rena sucht, desto mehr Zweifel regen sich in ihr. Sie beginnt vieles zu hinterfragen, wird dabei immer mutiger, und auch ihr Vater muss sich ihren unbequemen Fragen stellen. Sehr gut dargestellt fand ich auch die kämpferische Rena, die furchtlos und zielstrebig ihren Weg geht.
Ich finde es sehr gelungen, wie die Autorin die Geschichte der beiden Mädchen in die politische Situation rund um den 17. Juni 1953 eingebettet hat. Der damalige Zeitgeist ist hervorragend eingefangen, außerdem gibt das Buch einen intensiven Einblick in das Leben und den Alltag in der jungen DDR. Allerdings empfand ich Tillas Entwicklung von der überzeugten Sozialistin zur Widerstandskämpferin als etwas zu schnell und daher nicht ganz realistisch.
Trotz meines Kritikpunktes Leseempfehlung für diesen beeindruckenden und hervorragend recherchierten Roman über ein wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte!