Ein skurriler Zauberer und eine unterschätzte Heldin

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Faye wächst in einem ziemlich ungewöhnlichen Zuhause auf. Zusammen mit ihrem Vater bewohnt sie ein Baumhaus voller Bücher und leuchtender Pilze. Faye und ihr Vater kümmern sich um die Ländereien von Schloss Celudur, einem magischen Schloss, das ein Eigenleben zu führen scheint. Als der zuständige Zauberer stirbt (was er selbst nicht wahrhaben will), muss schnell ein Nachfolger her, und zwar per Turnier. Total ungerecht, dass daran ausschließlich Jungen teilnehmen dürfen. Dabei wäre Faye eigentlich die deutlich bessere Wahl.

Faye ist diejenige, die den Laden am Laufen hält. Seit ihr Vater verschwunden ist, ist sie das Mädchen für alles, sie kümmert sich um alles, und denkt vor allem mit. Genau deshalb fühlt es sich beim Lesen die ganze Zeit ein bisschen sehr gemein an, dass sie außen vor bleiben soll.

Mit dem Turnier wird die Geschichte deutlich lebendiger. Neue Figuren tauchen auf, jeder bringt seine eigene Portion Selbstbewusstsein mit, und die Prüfungen sind … überraschend. Man merkt schnell, wer mehr Schein als Sein ist und wer vielleicht doch mehr draufhat, als es zunächst wirkt.

Parallel dazu wird immer deutlicher, womit Faye zusätzlich zu kämpfen hat. Ihre Verwandlung sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern auch für blöde Kommentare und spürbare Ausgrenzung. Außerdem greift die böse Schattenkönigin nach der Herrschaft und nur Faye ist ihr gewachsen.

Der Schreibstil ist angenehm direkt. Nicht oberflächlich, sondern eher mit einigem schwarzen Humor. Die Kapitel sind kurz gehalten, allerdings ist das Thema und die Handlung schon so komplex, dass es eher für erfahrenere Leseratten eine passende Lektüre ist. Selbst als Erwachsener mit einer Vorliebe für Fantasy kommt man hier auf seine Kosten.

Bei den Illustrationen bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Figuren sind im Manga-Stil geeignet und eigentlich ganz passend. Bei den größeren Illustrationen stimmt aber die Atmosphäre nicht. Da haben die Bilder nichts mit der Geschichte zu tun und lassen Tiefe missen.

Am Ende ist das ein gelungener Auftakt mit vielen guten Ideen, einer starken Hauptfigur, einem echt schrägen untoten Zauberer und genug Spannung, um dranzubleiben.