Theorie und Praxis der Vorratstechnik

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Fermentieren bzw. Fermente scheinen zu spalten: Es gibt Leute, die auf Fermentiertes schwören, und solche, die es rundheraus ablehnen – und das, wo Fermentiertes doch gesund ist und sich ohnehin in täglich konsumierten Lebensmitteln findet. Dieses Spaltungspotential scheint sich noch zu vergrößern, wenn es darum geht, selbst zu fermentieren: gefährlich und kompliziert sind nur zwei der Attribute, die man dann zu hören bekommt. Den Versuch, mit diesen (Vor-)Urteilen aufzuräumen, unternimmt Nadine Schünemann mit „Fermentieren – Twist your Taste!“.

Damit die Basis gelegt ist, gibt es einen ausführlichen Theorieteil zu Beginn. Hier geht es um Grundsätzliches: Was ist Fermentation, was passiert da, was ist Milchsäuregärung, was braucht man, woran erkennt man, ob es (nicht) geklappt hat? Wie erwähnt ist dieser Teil recht ausführlich, aber nur so versteht man eben das Prinzip – zudem erklärt Schünemann auch für Anfänger gut verständlich und reich bebildert, sodass die Angst vor Fermentierversuchen schwindet. Der Rezeptteil ist in zwei große Teile gegliedert, Basisfermente (etwa Gemüse und Getränke) und Mix & Match (bauen im Wesentlichen auf Basisfermenten auf und auch hier finden sich Drinks, aber auch Comfort Food oder Desserts).

So klar wie das Buch selbst sind die einzelnen Rezepte gegliedert: Die Zutaten sind auf einen Blick erkennbar und Zubereitungsschritte gut erklärt, ein Foto veranschaulicht das Ergebnis, zahlreiche auch (typo-)graphisch gut aufbereitete Angaben (von Zubereitungszeiten über Tipps zu Kombinationen oder nötigen Arbeitsmittel über Geschmacksrichtung) erleichtern die Planung. Erfreulich ist überdies, dass Schünemann nicht dem Drang erliegt, gleich ganze Kompanien zu verpflegen, sodass man ausprobieren kann, was schmeckt bzw. funktioniert und was nicht. Gerade dieser Punkt ist erfreulich; etwas weniger erfreulich ist das Marketing in eigener Sache, aber da es sich in Grenzen hält, darf das noch als ok gelten. Nach Lektüre des Buches bin ich wild entschlossen, es in unserer Küche alsbald blubbern zu lassen, Coconut Cult oder Miso-Zitronen-Pasta auszuprobieren, mich von Supermarkt-Kimchi unabhängig zu machen und vielleicht sogar Kombucha mal zu probieren. Einziger Haken dabei: Für manches Rezept braucht man dann doch wieder „Spezialausstattung“: Joghurtkulturen oder Fermentierdeckel. Ansonsten bekommt man mit „Fermentieren – Twist your Taste!“ ein zeitgemäß und frisch gestaltetes Buch, das keine Frage um das Thema offenlässt, Angst nimmt vor dieser gesunden und trendigen Vorratstechnik.