Fragmente, welche die Geschichte lebendig werden lassen

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yernaya Avatar

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Was wissen wir eigentlich über die Ukraine? Obwohl sie seit Jahren die Schlagzeilen füllt, habe ich mich noch nie wirklich intensiv mit diesem Land beschäftigt. Was für viele andere Länder Osteuropas ebenso gilt. Natürlich wusste ich, dass es "Russlandeutsche" gibt, aber ich habe mich nie gefragt, wie sie eigentlich dorthin gekommen sind. Aufgewachsen in den 60er und 70er Jahren war das Leid dieser Menschen kein Thema für mich. Die Vertriebenenverbände waren mir politisch suspekt, ihre nationalistische Ausrichtung zu einer Zeit, in der Willy Brandt mit dem Kniefall von Warschau eine neue Ostpolitik einleitete, stieß mich geradezu ab.

Michael Riepl, ein Jurist und Menschenrechtsaktivist, hat nun mit FERNE HEIMAT ALTMONTAL ein Buch geschrieben, durch das mir dieser Teil der deutschen und ukrainischen Geschichte näher gebracht hat. Die Großmutter des Autors, geboren 1919, wurde in der Ukraine geboren in einem Dorf namens Altmontal. Es wurde von deutschen Siedlern gegründet, die unter Katharina der Großen ins Land kamen, um es zu besiedeln. Heute ein Kriegsgebiet hat dieser Ort eine wechselvolle Geschichte erlebt. Ein Stück davon bringt uns Riepl näher.

Seine im Alter von 85 Jahren verstorbene Großmutter hat sich noch im hohen Alter die Mühe gemacht, auf einer alten Schreibmaschine ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Durch die Augen seiner Großmutter betrachte Riepl, und wir mit ihm, die wirklich leidvolle Geschichte der Familie, der ukrainischen Deutschen und der Region. Wir erfahren von Enteignungen und Entrechtungen, von Hunger und Kälte, von Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung unter der Herrschaft Stalins. Wir erleben den Einmarsch der Wehrmacht und begleiten Hedwig Krämer auf ihrem Weg nach Deutschland. Sie war eine außergewöhnliche Frau, die bereits als Kind einen starken Willen hatte, und sich trotz aller Schicksalsschläge ihren Traum erfüllen konnte Ärztin zu werden.

Doch das ist nur ein Teil des Buches. Zugleich berichtet Riepl aus seinem eigenen Leben und seiner Tätigkeit in Kriegs- und Krisengebieten. So verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem sehr lesenswerten und bewegenden Buch. Auch wenn es Fragmente sind, die Riepl zusammenfügt, wurde die Erzählung nie zusammenhanglos. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen in Europa wieder ein Krieg geführt wird und auch in Deutschland viele sich einer rechtsextremen Partei zuwenden, ist es wichtig sich daran zu erinnern, was Diktaturen und Kriege mit den Menschen anrichten.