Geschichte der Schwarzmeerdeutschen
Michael Riepl erzählt in diesem Buch die Geschichte seiner Großmutter Hedwig Krämer und verbindet sie mit der Geschichte seiner Vorfahren, den Schwarzmeerdeutschen, die zu der zweiten großen Übersiedlungswelle gehörten. Es ist ein autobiografisch geprägter Roman, der zeigt, wie eng Familiengeschichte und Zeitgeschichte miteinander verbunden sein können. Hedwig stammt aus einer protestantischen Familie, deren Vorfahren 1804 auf Einladung von Zar Paul I., dem Nachfolger von Katharina II. ins Russische Reich auswanderten und sich in der neu gegründeten Siedlung Altmontal niederließen, weil die Siedlungen um Chorthitza, die von den vor 15 Jahren zuvor übersiedelten Mennoniten und Protestanten bereits zu klein geworden sind. Der Autor beschreibt, wie die Menschen ihre Heimat verließen, ein neues Leben begannen und welche Herausforderungen sie dabei bewältigen mussten. Besonders gut gefallen hat mir, dass Michael Riepl den Leser nicht mit einer Fülle historischer Fakten überfordert. Stattdessen erzählt er die Geschichte aus der Perspektive seiner Familie. Dadurch werden die historischen Ereignisse greifbar und berührend. Wer sich näher mit der Geschichte beschäftigen möchte, findet im Internet sogar den Lageplan von Altmontal und kann sehen, wo das Haus der Familie stand. Neben der Familiengeschichte berichtet der Autor auch von seiner Arbeit bei verschiedenen NGOs. Diese Passagen fand ich interessant und informativ, auch wenn für mich die Geschichte seiner Großmutter im Mittelpunkt stand. Das Buch liest sich ruhig und angenehm. Es ist eine Familiengeschichte, die Geschichte der Schwarzmeerdeutschen im russischen Reich und später in der Sowjetunion auf persönliche Weise vermittelt.